Einleitung zur Recherche rund um den “Marsch für die Familie” 2017

Auch heuer findet wieder am 17. Juni, zeitgleich mit der Regenbogenparade, der alljährliche klerikalfaschistische und antifeministische „Marsch für die Familie“ in der Innenstadt Wiens statt. Wir wollen in den nächsten Wochen Texte zu einigen der unterstützenden Gruppen und Personen des Marschs auf dem FIDA-Blog veröffentlichen, um aufzuzeigen, mit wem wir es da zu tun haben. Mit Forderungen wie beispielsweise „unantastbares Lebensrecht ab der Empfängnis“, „gegen den Gender-Wahn“, „Ehe nur zwischen Mann und Frau“ versuchen christliche Fundamentalist_innen zusammen mit klerikalen Faschist_innen ein traditionalistisches, heterosexistisches, frauen*feindliches und völkisch-nationalistisches Familien- sowie Gesellschaftsmodell zu propagieren. Auch versuchen sich die Fundis(1) als Kinderschützer_innen darzustellen und sprechen sich unter dem Deckmantel des Kindeswohls gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare oder den Sexualkundeunterricht in Schulen aus. Diese Forderungen sind in ein Kontinuum von patriachalen und sexistischen Strukturen verwoben [siehe dazu auch http://fida.blog.info/selbstverstaendnis. [1]

Dass es sich bei den Fundis rund um den „Marsch für die Familie“ nicht um ein paar einzelne „Spinner_innen“ handelt, die in Wirklichkeit eh niemensch ernst nimmt, zeigt sich zum einen durch die breite, teilweise sogar internationale, Vernetzung und Kooperation christlich-fundamentalistischer und rechter bzw. rechtsextremer Gruppierungen und Einzelpersonen rund um den Marsch. Letztes Jahr etwa beteiligte sich Ján Čarnogurský, ehemaliger Ministerpräsident der Slowakei und Gründer der christlich- demokratischen Bewegung (KDH) mittels eines Redebeitrags an dem Marsch um gegen geflüchtete Menschen und die EU, die angeblich die christliche-europäische Kultur zerstören wollen, Stimmung zu machen. Zum anderen finden sich immer wieder (ehemalige) Parteipolitiker_innen aus FPÖ, ÖVP und BZÖ unter den Unterstützer_innen so zum Beispiel Ex-ÖVP Abgeordneter Marcus Franz, Ursula Stenzl (FPÖ Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete) sowie Martin Stiglmayr, Väterrechtler und ehemaliger stv. Parteiobmann des BZÖ Niederösterreich, die allesamts als Redner_innen auftraten. [1], [2]


Ursula Stenzl am Marsch für die Familie 2016


Unter den Unterstützer_innen und Organisator_innen des „Marschs für die Familie“ befinden sich nicht nur allbekannte christliche Fundi-Gruppen wie Pro-Vita und Human Life International (HLI), die immer wieder ihr Propaganda-Material vor Abtreibungskliniken verteilen oder Personen, die eine Abtreibung vorgenommen haben, öffentlich schikanieren. Auch finden sich dort rechtsextreme und faschistische Gruppierungen, wie etwa PEGIDA, die Freie Heimatliche Bewegung (FHB) oder der Verein Okzident. Alljährlich beteiligen sich auch Mitglieder der polnisch-nationalistischen Wiedenska Inicjatywa Narodowa (WIN, Wiener Nationale Initiativ) oder auch der Europäischen Aktion (EA), welche im Jahr 2014 Flyer mit faschistischen Inhalten, wie der Forderungen des Anschlusses Österreichs an Deutschland verteilten und sich offen für die Abschaffung des Verbotsgesetzes einsetzen, am „Marsch für die Familie“. [3]

Erstmals wurde der Marsch für die Familie 2012 am gleichen Tag wie die Regenbogenparade von der Christen Allianz und dessen Mitglied Alfons Adam veranstaltet. Adam, Gründer der Christlichen Partei Österreich, fiel bereits im Zuge des Nationalratswahlkampfs 2008 mit der Aussage, Homosexualität sei eine „neurologische Erkrankung“ mit homophoben Sprüchen auf und rief 2012 vor der Wiener Oper zu einer Demonstration gegen die durch die Regenbogenparade propagierte „Pervertierung der Sexualität“ auf. Obwohl 2012 nur wenige Leute den Marsch für die Familie besuchten, war Adam 2013 sowie die Jahre danach, als Pro-Vita-Mitglied wieder maßgeblich an der Organisation des von der Plattform Familie veranstalteten Marschs beteiligt. Obwohl sich die Plattform Familie selbst als „breites Protestbündnis“ bezeichnet, macht ein Blick ins Impressum der Website des Marsch für die Familie deutlich, dass die Organisation maßgeblich von Pro-Vita getragen wird. [4]


Impressum von marschfuerdiefamilie.at


Immer wieder haben in den letzten Jahren unterschiedliche feministlische und antifaschistische Gruppen zu Demos und Protestaktionen gegen den „Marsch für die Familie“ aufgerufen. Obwohl jedes Jahr an die 200 Leute gegen den Marsch auf die Straße gingen und sich diesem entgegenstellten, räumte die Polizei, teils mit brutaler Gewalt, immer wieder den Weg für die Fundis frei, damit diese durch die Innenstadt marschieren und ihre antifeministischen, heteronormativen und homophoben Parolen verbreiten können. Und damit sie das auch dieses Jahr nicht ungestört machen können, organisiert euch oder beteiligt euch an den Protesten, Demos und Aktionen!

Bisher haben wir folgende Artikel veröffentlicht:

* Verein Okzident

* Verein Pro Vita

* Human Life International

* Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum

* Wiedenska Inicjatywa Narodowa

(1) Fundis wird hier als Kurzform für christlich-fundamentalistische Personen verwendet.