Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident

Teil 1 unserer Recherchereihe befasst sich mit dem sogenannten „Okzident – Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit”, welcher auf der Homepage vom „Marsch für die Familie“ als Unterstützer aufscheint. Gegründet wurde der Verein Okzident von Georg Immanuel Nagel gemeinsam mit Alfons Adam im August 2015. Neben einem monatlichen Stammtisch hält Okzident gemeinsam mit der Freien heimatlichen Bewegung jede Menge „Mahnwachen gegen den Terror“ ab.


Nagel als Redner bei einer der “Mahnwachen gegen den Terror”


Auf der Homepage des Vereins sind ihre Standpunkte und Forderungen nachzulesen, im Folgenden ein kleiner Auszug davon zur Verdeutlichung der antifeministischen und rechtsextremen Ausrichtung des Vereins. So heißt es dort: „Eine wie auch immer geartete ‘Homo-Ehe‘ ist nicht vonnöten. Ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare wird abgelehnt. Es ist wichtig, dass Kinder vor allem zahlreich in ordentlichen Familien geboren werden und nicht in problematischen Unterschichten.“ und weiter: „Alle staatlichen Einrichtungen haben zur Verwendung von korrektem Deutsch verpflichtet zu werden. Damit Verbunden ist auch die Beendigung der Pläne zur widerlichen ‚Frühsexualisierung‘ von Kindern.“
Auch die „Wehrhaftigkeit gegen den radikalen Islam und den gewaltbereiten Linksextremismus“ und ein Schließen der Grenzen wird gefordert: „Angesichts der Tatsache, dass in keinem unserer Nachbarländer Krieg herrscht, ist das ‚Asylrecht‘ umgehend, bis auf weiteres, restlos abzuschaffen. […] Wir erleben seit langem eine Wirtschaftskrise und Rekordarbeitslosigkeit, wir brauchen daher keinerlei Einwanderung. Jede mögliche Form von außereuropäischem Zuzug ist zu unterbinden.“

Als Postanschrift für den Verein Okzident geben Nagel und Adam im Impressum die Fuhrmanngasse 18 im 8. Bezirk in Wien an. Das ist insofern von Interesse, da dort noch weitere Rechtsextreme ihren Sitz haben, u.a. der Verein Deutscher Studenten „Philadelphia“, die Mädelschaften Nike und Freya, die Wiener akademische Burschenschaft Modavia, die Pennale Burschenschaft Ghibellinia zu Wien und die Österreichische Landsmannschaft. [1]


Impressum von verein-okzident.at


Georg Immanuel Nagel ist – ebenfalls dem Impressum zu entnehmen – Obmann des Vereins. Er war als Pressesprecher an dem gescheiterten rechtsextremen Projekt PEGIDA Österreich beteiligt und schreibt u.a. in den rechtsextremen Zeitschriften Der Eckart, Zur Zeit und Blaue Narzisse und auf dem neonazistischen Metapedia-Portal zu Themen wie „herausragende Führungspersönlichkeiten“, „konservative Hipster“ und dem „Vormarsch des Islams“. Nagel ist ja vor allem durch seine zahlreichen rechtsextremen Verbindungen sowie rassistischen und islamophoben Aussagen medial bekannt geworden. Führt mensch sich aber einzelne seiner zahlreichen Texte, die er meistens in rechtsextremen Zeitschriften veröffentlicht, mal genauer zu Gemüte, wird einer*m sehr schnell klar, dass Nagel nicht nur ein homophobes und sexistisches Weltbild vertritt, sondern auch zutiefst traditionalistische und konservative Familien- und Geschlechtervorstellungen. So bezeichnet er beispielsweise in einem unter dem Titel „Die Sexismus-Propaganda“ erschienenen Text, den Sexismus-Begriff als „Erfindung von kulturmarxistischen Gesellschaftszersetzern“. Da Frauen „mittlerweile nicht nur gleiche Rechte haben“ steht für Nagel fest, dass es beim „Kampfbegriff des Sexismus“ und dem dahinterstehenden „linken Kulturlesbentum“ einzig und allein darum geht „die Familie [zu] zerstören“. Bereits 2014 nahm er an der ersten Identitären-Demo in Wien und einem „identitären Wandertag“ teil. [2]


Nagel als Redner bei PEGIDA am Columbusplatz im April 2016

 


Nagel als Teilnehmer am “identitären Wandertag” 2014

 


Nagel als Teilnehmer auf der “identitären Demo” 2014


2015 hatte er noch mit seiner damaligen (Facebook-)Gruppe Aktionsgruppe gegen Dekadenz und Werteverfall (AGDUW) zum Marsch aufgerufen und selbst daran teilgenommen – die Facebookgruppe existiert allerdings nicht mehr und die Seite agduw.at führt direkt auf die Okzident-Website.
Im Jänner 2016 trat Nagel im Zusammenhang mit der Wiedenka Inicjatywa Narodowa bei deren Kundgebung vor der polnischen Botschaft in Erscheinung. Auch im vergangenen Jahr hat er den Marsch mitorganisiert, daran teilgenommen und eine Rede gehalten. [3], [4]


Nagel bei der Kundgebung der polnisch-nationalistischen
Wiedenska Inicjatywa Narodowa vor der polnischen Botschaft in Wien

 

Nagel als Organisator des “Marschs für die Familie” 2016

In seiner Rede beim „Marsch für die Familie“ 2016 äußerte sich Nagel auch zum Reizwort Gender, welches zusammen mit den „Regenbogenfarben“ nur dazu da sei, um „unsere Gesellschaft, unser Volk zu zersetzen, genauso der Kampffeminismus, der die Geschlechter spalten und die Entstehung von normalen Familien und damit Kindern verhindern soll.“

Auch wirfst Nagel immer wieder mit homophober Kackscheiße um sich, wenn er beispielsweise davon spricht, dass es für ihn „das normalste auf der Welt“ sei, „wenn man sich als Mann zu Frauen, vor allem jungen schönen Frauen hingezogen fühlt“ oder wie in seiner Rede 2016 von der „Familie, die aus Mann, Frau und deren Kindern gebildet wird“ spricht. Für Nagel steht fest, dass der Feminismus Frauen eingeredet hätte, promiskuitiv zu leben und sich „leicht“ zu kleiden und sie ihr „sexualisierten Dasein“ nur dann loswerden, wenn die Gesellschaft wieder zu den konservativen Werten und traditionellen Rollenbildern zurückkehrt. [2]

Alfons Adam ist Obmann Stellvertreter von Okzident, Obmann von „Pro Vita-Bewegung für Menschenrecht auf Leben“ und seit 2012 hauptverantwortlich für die Organisation des „Marsch für die Familie“.


Adam am “Marsch für die Familie” 2015


Adam als Redner am “Marsch für die Familie” 2016


Er wurde wegen „Herabwürdigung religiöser Lehren“ – in einer Postaussendung hatte er hetzerische Aussagen über den Buddhismus verbreitet – zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf die Frage, warum ihm die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren ein Dorn im Auge sei, antwortete er in der Zeitung Die Presse, „dass Homosexualität keine Veranlagung [sei], sondern eine auf seelische Erkrankung beruhende Neigung, die heilbar ist. Das [hätten] alle Fachleute gewusst, bis linke Ideologen Homosexualität als Mittel zur Zerstörung des christlichen Bildes von Ehe und Familie instrumentalisiert [hätten]. Die homosexuelle Lebensweise [schade] dem Gemeinwohl und Kinder und Jugendliche dazu zu verführen [führe] in eine soziale Katastrophe.“ [3], [5], [6] Für den heurigen Marsch sucht er derzeit öffentlich nach einem Traktor:


Aufruf nach einem Traktor für den “Marsch für die Familie” 2017


Um die Fundis ihre rassistische, antifeministische, heteronormative und homophobe Propaganda nicht ungestört verbreiten zu lassen, organisiert euch oder beteilgt euch an den Protesten, Demos und Aktionen!