Teil 2 der Recherche rund um den „Marsch für die Familie“: Verein Pro Vita

Als zweiten Teil unserer Recherchereihe wollen wir näher über den Verein „Pro Vita – Bewegung für Menschenrecht auf Leben“ berichten, der als Hauptorganisator des „Marsch für die Familie“ gilt. Der Verein wurde 1984 gegründet und tritt seither für das „unantastbare Lebensrecht des Kindes ab der Empfängnis“ ein. Laut Website von Pro Vita ist der Verein auch selbsternannter Organisator der „Plattform Familie“ und somit auch eine der haupttragenden Organisationen für den „Marsch für die Familie“. Auch im Impressum der Website des „Marsch für die Familie“ ist Pro Vita als verantwortlicher Medieninhaber und Herausgeber angeführt. [1]

Bundesobmann des Vereins ist der Jurist Alfons Adam, der seit Jahren als zentrale Figur der österreichischen Anti-Abtreibungs-Szene gilt. Über Adam haben wir bereits im ersten Teil unserer Recherechereihe berichtet.

Auf der Homepage des Vereins sind regelmäßig Publikationen zu finden, die von sexistischer, homophober und Anti-Abteibungs-Propaganda nur so strotzen. So schreibt Alfons Adam in der vorletzten Ausgabe der Pro Vita-Hefte (Nr. 5/2016, S.2ff): „[e]ine Gesellschaft, deren Recht das Leben ihrer wehrlosen Mitglieder nicht mehr schützt, verdient das Prädikat ‚menschlich‘ nicht mehr.“ Weiters zitiert er die Zeitschrift „Medizin & Ideologie 3/16“ in der von einer „weltweit auferzwungene[n] schwulen Ideologie“ zu lesen ist, die „für die Menschheit vielfach gefährlicher ist als alle realen oder vermeintlichen Klimabedrohungen zusammen.“ Auch die regelmäßigen Aktionen der Abtreibungsgegner*innen vor Abtreibungskliniken thematisiert Adam in dieser Ausgabe. Das öffentliche Schikanieren von Personen, die eine Abtreibung vorgenommen haben und das Verteilen von Propaganda-Material verharmlost Adam als „Gehsteigberatung“. Weiters schreibt er „[d]as „Opfer“ selbst, der Abtreiber, äußerte als Zeuge lediglich, er habe sich durch die Aktivitäten der Lebensschützer „anzipft“ gefühlt, was bei weitem nicht ausreicht, jemanden als Stalking-Opfer anzusehen. Die Gerichte haben dann, um zu einem Schuldspruch gelangen zu können, einen Sachverhalt einfach erfunden, man könnte auch sagen zusammengelogen.“

1. Obmannstellvertreter ist Georg Roth, Jurist und Inhaber der Pharmafirma „Roth-Pharma“. Georg Roth war 2008 Kassier bei der Gründung der öberösterreichischen Landesgruppe der Christen Partei Österreich (CPÖ), damals noch Die Christen. 2010 wurde er zum neuen Obmann gewählt. Die Christenpartei Oberösterreich zählt ebenfalls zu den Unterstützer*innen des „Marsch für die Familie“. Dieses Jahr reisen sie organisiert mit einem Bus aus Oberösterreich zum Marsch an.

Mobilisierung der CPÖ zum “Marsch für die Familie 2017

Georg Roth beim „Marsch für die Familie“ 2016

Alfons Adam und Georg Roth sind nicht die einzigen Pro Vita-Vorstandsmitglieder mit parteipolitischer Vergangenheit. Auch der verstorbene Nationalratsabgeordnete für die ÖVP, Vincenz Liechtenstein, war Gründungs- und jahrelanges Vorstandsmitglied des Vereins Pro Vita. Dieser wurde durch Aussagen wie „Abtreibungskliniken sind Tötungskliniken wie KZ’s, Ärzte die abtreiben, sind Mörder, wie auch Frauen, die abtreiben, Mörderinnen sind. Sie gehören bestraft.“ als radikaler Abtreibungsgegner bekannt und nahm beispielsweise 2002 am „Pro Life Weltkongress“ teil. [2]

2. Obmannstellvertreterin ist Edith Pekarek, ehemalige Geographieprofessorin und Juristin. Edith Pekarek hielt seit 2015 immer wieder Vorträge zum Thema „Gender-Ideologie“, beispielsweise im Schloß Hetzendorf, im unter Rechtsextremen äußerst beliebten Haus der Heimat sowie im K.Ö.St.V. Gral Wien im MKV. Dabei vertritt sie die Annahme, dass „Gender Mainstreaming“ als „Generalangriff auf die Schöpfungsordnung“ gesehen werden kann und zu einer „Wahrheitsumkehr“ führt. Diese „Änderung des Menschen“ in „seinem Kern“, „seiner geschlechtlichen Identität“ bezeichnet Pekarek als „perfide“. [3], [4]

Edith Pekarek 2015 als Vortragende im Haus der Heimat

Bereits langjähriges Pro Vita-Vorstandsmitglied ist der praktische Arzt Karl Schmiedecker. Dieser Arzt hält mit Leuten, die zur „Pro-Life Straßenevangelisierung“ oder dem „Turiner Grabtuch – der neueste Stand der Forschung“ sprechen, Vorträge zum „Post Abortion Syndrom“ oder gibt am „Heiliggeist-Seminar“ Tipps anlässlich der Ausbildung von „Hagiotherapeuten“ (das sind Therapeuten, die durch Gebete heilen wollen). Außerdem ist der ehemalige Uniprofessor Wolfgang Waldstein, auch Mitglied der Juristenvereinigung Lebensrecht (JVL), seit vielen Jahren im Vorstand von Pro Vita. Kassier des Vereins ist Robert Bäumen, stellvertretende Kassier Johann Hollaus, Schriftführer Michael Höfler und stellvertretende Schriftführerin Gerti Harzl. Weitere Vorstandsmitglieder sind Doktor Johann Wilde, welcher Obmann des Vereins „Bewegung für Menschenrecht auf Leben – Plattform Ärzte für das Leben“ ist und beim „Marsch für die Familie“ 2016 als Redner auftrat, Herbert Albrecht, Marianne Bäumen, Matthias Hämmerle und Günther Franz Kolar. [5], [6]

Wolfgang Waldstein

Johann Wilde auf Gloria TV „Zeuge einer Spätabtreibung“ [7]

Johann Wilde als Redner am “Marsch für die Familie” 2016

Auch dieses Jahr wird wieder zum „Marsch für die Familie“ am 17. Juni 2017 aufgerufen. Adam hat genaue Vorstellungen, wer beim Marsch am 17. Juni willkommen ist: „Mir persönlich sind Gender- oder Fristenlösungsgegner, aus welchem Motiv immer, sehr viel lieber als heuchlerische Christen, denen das tägliche Kinderschlachten und die vom Staat ausgehende Zerstörung des Familie gleichgültig sind.“ Der genaue Ort wird jedoch erst einige Tage davor bekannt gegeben, so Adam in der neuesten Ausgabe der Pro Vita-Hefte (Nr. 1/2017). Die Geheimhaltung des Ortes wird damit begründet, dass „wir den Behörden nicht trauen können“ und „wir uns vor linken Gegendemonstranten schützen müssen.“ Damit sie den „Marsch für die Familie“ trotzdem nicht ungestört abhalten können, organisiert euch oder beteiligt euch an den Protesten, Demos und Aktionen!