Teil 4 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum

Der vierte Teil der Recherchereihe beschäftigt sich mit der sogenannten Österreichischen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP), die es sich zum Ziel gemacht hat, „die Grundlage der sozial-christlichen Zivilisation zu schützen“ und als Dachverband für verschiedene Organisationen bzw. Vereine fungiert. TFP ist ebenfalls offizieller Unterstützer des „Marsch für die Familie“.

Die „katholischen Soziallehre“ als Grundlage, publiziert TFP unter anderem Bücher wie „Revolution und Gegenrevolution“, das die vermeintliche „Zerstörung der Familie“ und einen generellen „Werteverfall der westlichen Zivilisation“ als Konsequenz der (französischen) Revolution anprangert. Diese habe neben dem Protestantismus den Kommunismus und schließlich auch eine „Kulturrevolution“ hervorgerufen, welche im „sozial-christlichen“ Weltbild nun das Übel darstellen, das es zu bekämpfen gilt. [1]

Den Ursprung findet TFP 1960 in seiner Gründung in Brasilien (Sociedade Brasileira de Defesa da Tradição, Família e Propriedade) durch den anti-kommunistischen und erzkonservativen Plinio Corrêa de Oliveira. Mittlerweile gibt es in rund 26 Ländern Ableger des ursprünglichen Vereins, die alle versuchen, die Ziele und Ideen des Gründervaters – in reaktionärer bis rechtsextremer Tradition stehend – zu verwirklichen. Die Geschichte rund um die brasilianische TFP-Organisation ist allerdings größer und weitreichender, als man auf den ersten Blick vermuten würde: 1964 war beispielsweise eine TFP-Kampagne gegen eine Land-Reform maßgeblich am Putsch und Sturz des damaligen Präsidenten der Brazilian Labour Party beteiligt, dem schließlich ein Konservativer nachfolgte.

In Österreich wurde der Dachverband 1999 mit Benno Hofschulte als Obmann und Carlos Eduardo Schaffer als dessen Stellvertreter gegründet. Mittlerweile befindet sich der TFP-Sitz in der Gußhausstraße 10/19B (1040 Wien), wo gleichzeitig der Verein Österreichische Jugend christlicher Gemeinschaft deutschen Raumes [2] als Träger angeführt wird. Obmann dieses Vereines, 1996 gegründet, ist Mathias von Gersdorff, Stellvertreter ebenfalls wieder Carlos Eduardo Schaffer.

Selbst die liberalen katholischen Frankfurter Hefte klassifizieren TFP als rechtsextreme Sekte. [3]

 

Benno Hofschulte

Benno Hofschulte

Benno Hofschulte, wie bereits erwähnt der Obmann von TFP, ist ebenfalls Vorsitzender der 1983 gegründeten Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur (DVCK) [4], die den „Schutz der Kinder, der Familie und der christlichen Wurzeln Deutschlands“ propagiert und unter anderem dazu aufruft, gegen Abtreibung, Homo- und Bisexualität sowie Trans-Personen aktiv zu werden. Zur Arbeit von DVCK zählen auch Projekte wie Aktion Kinder in Gefahr [5] und Aktion SOS Leben [6], wo mit Wordings wie „Gender-Wahn“ oder „Homo-Ehe“ queer-feministische Forderungen diffamiert werden und ganz in fundamentalistisch-reaktionärer Tradition viel vom „Schutz der ungeborenen Kinder“ lamentiert wird. Auch eine vermeintliche Verfolgung der Christ_innen und somit eine Konstruktion der eigenen Opferrolle wird in diversen Beiträgen immer wieder kreiert und betont. Eine Kampagne von DVCK beinhaltete beispielsweise den Aufruf an die bundesdeutsche Regierung, das Jugendmagazin BRAVO einzustellen, da es sich dabei um einen „Angriff der moralischen Grundlage der Kinder“ handle. [7]

Hofschulte beteiligte sich aktuell unter anderem am „1000 Kreuze für das Leben“-Marsch am 18. März 2017 in Münster, zu dem auch die AfD (Alternative für Deutschland) Münster mobilisierte und einige Mitglieder derer selbst teilnahmen. Auch hier stilisiert man sich gerne als Opfer, wenn die an den feministischen Gegenprotesten teilnehmenden Aktivist_innen als „linkskriminell bzw. linksfaschistisch einzustufende Störer“ Erwähnung finden. [8] Der selbsternannte „Lebensrechtler“ ist außerdem stellvertretender Leiter der Aktion Deutschland braucht Mariens Hilfe [9], die durch das Verbreiten von Rosenkränzen, Büchern und der „Botschaft von Fatima“ eine „Re-Christianisierung“ Deutschlands sowie einen Ausweg aus der „moralischen und religiösen Krise“ erreichen möchte.

Mathias von Gersdorff

Mathias von Gersdorff

Bei Matthias von Gersdorff handelt es sich wie bereits erwähnt um den Obmann der Österreichischen Jugend christlicher Gemeinschaft deutschen Raumes, den Hauptinitiator der Aktion Kinder in Gefahr und dem deutschen Sektionschef der TFP.

2015 publizierte er ein Buch mit dem Titel „Gender: Was steckt dahinter?“, in welchem er sich der vermeintlichen „Gender-Ideologie“ aus „Sicht der Betroffenen“ (nach ihm wären das vor allem Kinder) annimmt und feststellt, dass diese „Ideologie der Genderisten“ vor allem blanker Fanatismus wäre, die in keinster Weise auf irgendeiner theoretischen Grundlage fußt. (Fazit: Die Gender-Lobby ist schuld.) Ebenfalls 2015 erschien ein weiteres Buch von Gersdorff: „Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira: Katholischer Streiter in stürmischer Zeit“, in welchem der TFP-Gründer als außergewöhnlicher Kämpfer für die katholische Kirche glorifiziert wird.

In der rechtsextremen konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit veröffentlicht(e) Gersdorff eifrig Beiträge, die hauptsächlich den Verlust der Werte der Familie sowie die Gefahren, die von den „Abtreibungsbefürworter“ und „Linkskatholiken“ ausgehen, thematisierten und die gerne auch von der AfD geteilt werden. [10]

Er unterstützt des weiteren die sogenannte „Demo für alle“, die mit Slogans wie „Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“ wirbt und in deren Unterstützer_innen- bzw. Organisator_innen-Reihen sich rechtskonservative Politiker_innen wie Beatrix von Storch befinden. [11]

Peter Stolberg

Stolberg am “Marsch für die Familie” 2016

Stolberg am burschenschaftlichen “Fest der Freiheit” 2014

Graf“ Peter von Stolberg-Stolberg oder Peter zu Stolberg scheint ebenfalls eine Rolle rund um die TFP-Organisation zu spielen: Bei einer Presseaussendung im Namen von TFP zur „Gefährdung von Meinungs- und Redefreiheit“ vom 4. Oktober 2011 wurde sein Name und seine Handynummer (0664 326 2932) als Kontakt angegeben. [12] Stolberg ist außerdem als „Ordenskanzler“ im Alten Orden von St. Georg [13] sowie beim Wiener Akademikerbund organisiert. Des weiteren fungierte er am 30. Oktober 2008 im Palais Coburg in Wien als Moderator bei einer Veranstaltung zur Veröffentlichung der deutschen Ausgabe des Buches „Der Adel und vergleichbare traditionelle Eliten“ von Plinio Corrêa de Oliveira. [14]