Teil 5 der Recherche rund um den „Marsch für die Familie“: Wiedenska Inicjatywa Narodowa

Die Wiedeńska Inicjatywa Narodowa (WIN, Wiener Nationale Initiative) ist ein 2014 gegründeter Verein. Ihren Vereinssitz hat die WIN in der Cothmannstraße 5-7/15, 1120 Wien. Eingetragener Obmann des Vereins ist David Staszkiewicz, stellvertretender Obmann Kamil Polak. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) stuft die Gruppe als „polnische Neofaschisten“ und antisemitisch ein. [1] Sie stehen dem Ruch Narodowy (Nationale Bewegung), Endecja sowie der Młodziesz Wszechpolska (Allponische Jugend) nahe. Weitere Verbindungen bestehen zum Klub Gazety polskiej, Polske Towarzystwo Gimnastyszne Sokoł, Prosto z Mostu sowie zum Klub Sierpien 80 (Polnisch-Österreichischer Klub für Information und Kultur, gegründet 1982 in Wien). Auch pflegt die WIN Kontakte zur österreichischen rechtsextremen Szene, wie beispielsweise der Identitären Bewegung Österreich. Die anonym betriebene neonazistische Website freies-oesterreich bezog sich ebenfalls positiv auf WIN. [2]

WIN gemeinsam mit Teilen der Identitären Bewegung (links)
auf dem „Marsz Niepodległości“ in Warschau 2016.
Auf dem rechten Banner ist ein Bild Dmowskis abgebildet.

Ebenso wie oben genannte polnische rechtsextreme Organisationen, knüpft die WIN an die Tradition faschistischer Organisation der Zwischenkriegszeit in Polen an. Die Leitfigur der Ideologie, die auch in den Statuten des Vereins aufscheint, stellt Roman Dmowski (1864 – 1939) dar. Dieser wird im Handbuch des Antisemitismus als „Führender Vertreter eines Antisemitischen Rechtsnationalismus“ beschrieben. Zentrale Punkte Dmowskis Veröffentlichung „Gedanken zum modernen Polen“ waren der nationale Egoismus, ein ethnisch homogenes Polen sowie das Propagieren einer rassistischen und antisemitischen Ideologie. [3]

Neben der Nation ist der Katholizismus ein weiteres Kernelement der WIN. So beschreiben sie sich auf ihrer Website wie folgt:

„Wir sind eine Jugendbewegung mit national-katholischem Charakter, Ziel unserer Tätigkeit ist ein breit verstandenes Bilden, Kultivieren und Propagieren der polnischen nationalen Tradition unter der jungen Generation.“ [4]

In ihrem Promo-Video sagen sie außerdem: „Als wichtigsten Inhalt erachten wir die Nation, die den Standard ihres Glaubens hoch hält. Den römisch-katholischen Glauben.“ [5]

Ihre Aktivität besteht in wöchentlichen Treffen, in denen sie Referate zur Geschichte für polnische Migrant*innen in Österreich halten. Des Weiteren organisierten sie in der Vergangenheit Veranstaltungen, in denen sie nationalistische Rapper, Vortragende und Autoren einluden. Viele dieser Veranstaltungen finden im Mariensaal der Schlosskirche Hetzendorf statt, wo auch die 2. Obmannstellvertreterin von Pro Vita Edith Pekarek bereits Vorträge hielt. Zudem mobilisierten sie in der Vergangenheit mehrmals zum „Marsz Niepodległości“ (Marsch der Unabhängigkeit) in Warschau, der mit bis zu 70.000 – 100.000 Teilnehmenden zu den größten rechten Aufmärschen Europas gehört.
2014 erschien die WIN als „Unterstützer“ des „Marschs für die Familie“ auf deren Homepage. In ihrem Video zum dreijährigen Jubiläum der Gruppe, erwähnen sie die Unterstützung lokaler Organisationen und Veranstaltungen in Wien. Dazu gehörte auch die Mitorganisation des „Marsch für die Familie“. Auch Abtreibungsmärsche und der „Marsch für verfolgte Christen“ werden in diesem Zuge von ihnen genannt.

WIN beim „Marsch für die Familie“ 2014.
u.a. im Bild: Kamil Polak, David Staszkiewicz und Maksymilian Bejda

Auch heuer fanden sich Mitglieder der WIN beim „Marsch für die Familie“:

Auf ihrer Facebookseite rief die WIN mehrmals zu diesen Veranstaltungen auf. So schreiben sie beispielsweise zum Aufruf für den „Marsch fürs Leben“:

„Vor 40 Jahren trat das Abtreibungsgesetz in Österreich in Kraft, von dieser Zeit an wurden in den Kliniken über eine Millionen ungeborener Kinder getötet (Österreich hat knapp acht Millionen Einwohner[*innen]). Am 23. Jänner organisieren unsere Freunde, die seit einigen Duzend Jahren unablässig um den Schutz des menschlichen Lebens von Beginn an kämpfen, eine Kundgebung. Wir laden ein. “ [6]

Doch fällt die WIN nicht nur durch die Teilnahme an antifeministischen Veranstaltungen wie dem „Marsch für die Familie“ auf. Bereits 2014 verfasste die WIN in Reaktion auf die Proteste gegen den Rauswurf eines lesbischen Pärchens im Café Prückel im Jänner folgenden homofeindlichen Post:

„Die normalen Leute, wir eingeschlossen, können das aggressive Verhalten [dieser] Perversen und ihrer Unterstützer nicht gutheißen. Wir bitten um Solidarität mit dem angegriffenen Lokal und überdies empfehlen wir das Café Prückel. Es ist dort wirklich angenehm, und die Preise sind auch erschwinglich.“ [6]

Anfang dieses Jahres organisierte die WIN eine Veranstaltung mit dem Titel „Gender: Bedrohung für die Familien, Kinder und Jugend“, zu dem sie den Priester Darius Oko einluden, welcher unter anderem das Buch „Dyktatura gender“ („Genderdiktatur“) publizierte.

Robert Koralewski – “Ehrenpräsident”, Kassier

Bis 2015 war er Obmann der WIN. Er ist außerdem der Vorstand der Mloda Endecja, welcher ein Teil der 2016 gegründeten Endecja ist. Die Organisation orientiert sich ebenfalls am Konzept der Nationaldemokratie nach Dmowski. Ziel ist es, die polnische nationale Gemeinschaft zu stärken. Koralewski schreibt außerdem für Prosto z mostu. Einem Ableger der in der Zwischenkriegszeit entstandenen Zeitschrift für faschistische Organisationen, in denen er auch offen mit der FPÖ sympathisiert. [7]

David Staszkiewicz – Obmann

Kamil Polak – Obmannstellvertreter

Sebastian Poplawski

Maksymilian Bajda

Mateusz Blaszyński

Mateusz Blaszyński am “Marsch für die Familie” 2014

Quellen und weiterführende Informationenen

Weitere Infos zu WIN finden sich unter: http://recherchewien.nordost.mobi/2015/05/wiedenska-inicjatywa-narodowa

[1] https://www.doew.at/cms/download/e1qv/win_nvr_end.pdf

[2] http://freies-oesterreich.net/2014/10/03/doew-hetzt-gegen-junge-polnische-aktivistenkurier- verfasst-skandaloesen-artikel/#more-3278

[3] Wolfgang Benz (Hg.), Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Bd. 2/1, Berlin 2009, S. 197 f. Zur Rolle der „Nationaldemokratie“ im Prozess der antisemitischen Radikalisierung in Polen vgl. ebenda, Bd. 5, Berlin 2012, S. 232 ff.

[4] ttp://win.net.pl

[5] https://www.youtube.com/watch?v=CAATh8D1a_Y&index=7&list=UUR7Yv4DERcGyMB96Z0uKY-w

[6] https://www.facebook.com/WiedenskaInicjatywaNarodowa

[7] http://prostozmostu.net/news/nasz-wywiad-z-polakiem-urodzonym-w-austrii-zwyciestwo-fpo-kwestia-czasu