Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch.Gerade in aktuellen Debatten zeigt sich ganz deutlich, wann sich das böse F-Wort (Feminismus, Obacht!) dann doch ganz gut in die eigene politische Agenda einfügen kann und soll – oftmals nämlich zum vermeintlichen Schutz der betroffenen (bio-österreichischen, versteht sich) Frauen vor den vermeintlichen Sexualstraftätern (ausschließlich aus „dem Ausland“, versteht sich ebenfalls). Das ist insofern problematisch, als dass hierbei ein ganz konkretes und pauschalisiertes Täter-Bild konstruiert wird: „der Flüchtling“, der neben dem Erschleichen von staatlichen Sozialleistungen auch keinesfalls vor sexualisierten Übergriffen Halt machen möchte. Gleichzeitig schreien dabei meist diejenigen am lautesten auf, die sich ansonsten für Frauen- bzw. LGBTQ-Rechte nicht sonderlich interessieren. Diesbezüglich zeichnete sich beispielsweise auch Marcus Franz (Ex-Team Stronach-, anschließend ÖVP– und mittlerweile parteifreier Abgeordneter) aus, der 2015 mit seinen sexistischen Aussagen rund um den sogenannten „Po-Grapsch-Paragraphen“ für Aufsehen sorgte: „Ob der Popsch hält, was der Blick verspricht. Das erfahren zu wollen wird nun bestraft.” [1]

Im Rahmen unseres zweiten Themenschwerpunktes „Geschlechterbilder & Antifeminismus von Rechts“ wird sich die Recherche also mit den Geschlechtervorstellungen in rechtsextremen Strukturen beschäftigen. Folgende Akteur_innen stehen dabei im Fokus: die FPÖ und ihr Umfeld, die neu gegründete “Liste Kurz” bzw. die herkömmliche ÖVP, sogenannte “Mädelschaften” als Pendant der deutschnationalen Burschenschaften, Antifeminismus innerhalb der Identitären Bewegung sowie die involvierten Frauen und schließlich neonazistische Hooligan-Gruppierungen. Der Blick wird dabei insbesondere auf die Frauen in den genannten Gruppen und ihre “feministische” Position gerichtet.

Bisher haben wir folgende Artikel veröffentlicht:

* Mädelschaften (Teil 1)

* Mädelschaften (Teil 2)

* Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der “Identitären Bewegung”

Quellen und weiterführende Informationen