Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)

Dieser Text stellt den 2. Teil der Recherche zu in Österreich aktiven Mädelschaften im Rahmen unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts dar. Im ersten Teil wurden nach einer kurzen Einleitung, die Rechercheergebnisse der Wiener akademischen Mädelschaft Freya und der Wiener akademischen Mädelschaft Nike präsentiert. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit den folgenden Studentinnenverbindungen: Verein Grazer Hochschülerinnen, Pennale Mädelschaft Sigrid zu Wien und Akademische Mädelschaft Iduna zu Linz.

Verein Grazer Hochschülerinnen
Der Verein Grazer Hochschülerinnen gilt als die älteste Mädelschaft Österreichs, die Neuentstehung fand 1990 statt. Der Verein verfügt mit nur einer Facebook-Seite über weitaus weniger Internet-Präsenz als die meisten Mädelschaften. Ebenso findet sich auf der Facebook-Seite keinerlei Selbstbeschreibung oder -verständnis wie es bei vielen anderen Mädelschaften üblich ist, was den Verein Grazer Hochschülerinnen als gemäßigter erscheinen lässt. Der Verein äußert sich auf ihrer Facebook-Seite auch nahezu gar nicht zu gesellschaftspolitischen Themen, die meisten Postings handeln von Aktivitäten und Ausflügen, die die Mädelschaft während des Uni-Semesters veranstaltet, wie etwa Jul-Festen, Sonnwend-Feiern, Besuchen des Grazer Akademiker-Balls, Spendensammlungen sowie Kneipenabende bei anderen rechtsextremen Burschen- und Mädelschaften. So trifft sich der Verein etwa mit der B! Allemania in der Wartburg oder mit der ADV Barbara in Leoben. Nicht nur die Tatsache, dass sich der Verein Grazer Hochschülerinnen auf Veranstaltungen schlagender Burschenschaften bewegt und in einschlägig als rechtsextrem geltenden Lokalen feiert, sondern auch ihr Vereinssitz, die Leonhardstraße 27 deutet auf ihre deutschnationale Ausrichtung hin. An dieser Adresse befindet sich das Vereinshaus der Akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz, einer schlagenden Studentenverbindung. Im auch unter Gothiahaus bekannten Vereinshaus Gothia sind immer wieder Vorträge mit rechtsextremen Inhalten zu hören.

Vorsitzende des Vereins Grazer Hochschülerinnen ist Mag. Hildegard Ressler, die im Referat für Tourismus der steiermärkischen Landesregierung arbeitet.

Hildegard Ressler

Weitaus aktiveres Mitglied des Vereins als Ressler ist Belinda Limberger, die derzeit Humanmedizin an der Medizinischen Universität Graz studiert und für die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) auf Listenplatz 6 bei der Grazer Bezirks- und Gemeinderatswahl im Bezirk Ries im Jänner 2017 kandidierte.

Belinda Limberger

Ebenso präsentieren sich Uta Mogel BA., die auch Vorstandsmitglied beim Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) Graz ist sowie Gerhild Mogel, die sich beide beim Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) engagierten, als besonders aktive Mitglieder.

Uta und Gerhild Mogel beim RFS Graz

Uta und Gerhild Mogel beim RFJ Graz

Auch sind Else Mader und Anna-Lena Hutter, die auch beim RFS Graz aktiv ist, engagierte Mitglieder des Vereins Grazer Hochschülerinnen.

Else Mader

von links nach rechts: Anna-Lena Hutter, Belinda Limberger,
Uta Mogel, Gerhild Mogel, Else Mader

Mader und Mogel beim Champagnerabend
bei der B! Allemania Graz

Pennale Mädelschaft Sigrid zu Wien
Eine weitere noch junge, seit 2011 existierende Studentinnenverbindung ist die Pennalen Mädelschaft Sigrid zu Wien. Ähnlich wie der Verein Grazer Hochschülerinnen tritt die M! Sigrid auch nur mittels einer Facebook-Seite und somit sehr schmalspurig nach außen. Sie bezeichnet sich dort selbst als „Zusammenschluß von Frauen aus dem gesamten deutschen Sprachraum“, der „Heimatgefühl, Traditionsbewusstsein und national-konservatives Gedankengut“ vereint. Dass die M! Sigrid nicht nur „national-konservatives Gedankengut“ vertritt, sondern vielmehr auch regelmäßig deutschnationale Inhalte und Parolen von sich gibt zeigen Posting wie: “Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war…“. Die M! Sigrid postet seit Kurzem antifeministischen Kackscheiß wie: „family instead of feminism“ und stellt Feminismus damit als Bedrohung für die (traditionelle) Familie dar. In einem weiteren Posting „nothing as dangerous to feminism as a traditional girl“ wird ebenso sichtbar, dass die M! Sigrid für die Beibehaltung eines traditionell-konservatives Rollenbilds von Frauen eintritt.
Die Aktivitäten der M! Sigrid reichen wie bei vielen anderen Mädelschaften vom Feiern „germanischer“ Feste, Organisieren von Ausflügen, Diskussionsabenden und sportlichen Aktivitäten. Immer wieder veranstaltet die M! Sigrid auch Vorträge mit Rednerinnen aus der rechtsextremen Szene, wie im Jänner 2016 zum Thema „Pegida-Aufbruch oder Randerscheinung“ und luden im Rahmen dessen Tatjana Festerling ein. Festerling gilt als Mitgründerin der Alternative für Deutschaland (AfD) Landesstelle Hamburg und war bis 2016 als erweitertes Vorstandsmitglied bei Pegida aktiv. Seit Kurzem engagiert sie sich in der länderübergreifenden Organisation Festung Europa sowie in der nationalistischen Bürgerwehr in Bulgarien.

Ähnlich wie bei der M! Nike und der M! Freya hat die M! Sigrid auch einen Wahlspruch: „Edel sei die Frau, hilfreich und gut“. Dieser legt nahe, dass ein konservatives, bürgerliches Mann-Frau-Rollenverständnis unter den Mitgliedern vorherrscht. Obfrau der M! Sigrid ist Sabine Kotasek, derzeitige FPÖ-Bezirksrätin in Wien-Liesing. Kotasek gründete 2016 den FPÖ-Motorradclub Free Blue Riders, in dem angeblich „Frauen gleichwertige Mitglieder sind“.

Sabine Kotasek

Kotasek bei den Free Blue Riders

Stellvertretende Obfrau der M! Sigrid ist Birgit Thurner. Die Kassierin ist mit Elisabeth Keyl kein unbekanntes Gesicht in der rechtsextremen Szene. Keyl war jahrelang als Chefsekretärin von FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache tätig. Im Zuge einer Prügelei auf einer Party der Burschenschaft Silesia wurde öffentlich, dass Keyl sich im Dunstkreis des rechtsextrem Gottfried Küssel bewegt.

von links nach rechts: Kitzmüller, Schwab, Keyl

Sprecherin und stellvertretende Sprecherin der Mädelschaft Sigrid sind Gerhild Schwab und Sabrina Wallhof. Schwab studiert Zahnmedizin und ist derzeit FPÖ-Bezirksrätin in Wien-Meidling. 2015 kandidierte sie bei der Wien-Wahl auf Bezirksebene für die FPÖ-Leopoldstadt. Ebenso kandidierte sie auch für den RFS bei der ÖH-Wahl 2017 auf Listenplatz 3 für die Bundesvertretung und ist im Bundesvorstand als Pressereferentin beim RFS vertreten. Auch auf Studienvertretungsebene kandidierte Schwab für die Stv Zahn im Rahmen der ÖH-Wahl 2017 an der Medizinischen Universität Wien.

Gerhild Schwab

Gerhild Schwab

Gerhild Schwab

Sabrina Wallhof ist ebenso beim RFS aktiv und kandidierte bei der ÖH-Wahl 2017 auf Bundesebene für den RFS auf dem 14. Listenplatz. Des Weiteren kandidierte Wallhof für einen Posten in der Studiengangsvertretung Rechtswissenschaften bei derselben Wahl.

links: Wallhof

Akademische Mädelschaft Iduna zu Linz
Eine weitere in Österreich aktive Studentinnenverbindung ist die akademische Mädelschaft Iduna zu Linz. Die M! Iduna ist die aktivste Studentinnenverbindung in Oberösterreich und besteht seit Februar 2013. Auf ihrer Internet-Seite sind Wörter wie patriotisch, konservativ oder national-freiheitliche nicht mal im Selbstverständnis zu finden, wie bei so vielen anderen Mädelschaften. Vielmehr wird dort ein pseudo-gemäßigter Ton an den Tag gelegt, deshalb wird bloß von Vaterland, Ehre, Erbe und Kultur gesprochen, das mit dem Singen von „Volks-, Wander- oder Studentenlieder“, zelebriert werden soll. Neben dem Singen scheint eine Hauptaktivität der M! Iduna das Feiern von teilweise nationalsozialistisch-belasteten Festen, wie dem Jul-Fest und den Sonnwendfeiern zu sein. Die M! Iduna unternimmt auch immer wieder Ausflüge mit verschiedenen in Linz ansässigen Burschenschaften. Eine besondere Verbindung scheint aber zur schlagenden Fachstudentischen Verbindung Bajuvaria zu Linz zu bestehen. In den Räumlichkeiten der fStV! Bajuvaria, am Graben 10 hält die M! Iduna nämlich immer ihre Bude ab. Ein weiteres Indiz für die deutschnationale Ausrichtung der M! Iduna ist, dass sich ihr Vereinssitz laut Internet-Seite in der linzer Ellbognerstraße 60 befindet. Das Gebäude ist auch gleichzeitig die Adresse der als rechtsextrem eingestuften Österreichischen Landsmannschaft Landesstelle Oberösterreich, die unter anderem in ihrer Zeitschrift „Der Eckart“ deutschnationales Gedankengut verbreitet. Nicht zuletzt trägt M! Iduna die Farbe kornblumenblau in ihrem Wappen, eine Farbe, die vor dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland als Erkennungszeichen damals noch illegaler Nationalsozialist_innen galt. Auch scheint die M! Iduna mit islamfeindlichen Inhalten zu sympathisieren. So wird im März dieses Jahres, die in rechtsextremen Medien als „Islam-Kennerin“ bezeichnete, Laila Mirzo als Festrednerin eingeladen. Mirzo bezeichnet den Koran als „Handbuch des Terrors“ und wird immer wieder von rechtsextremen Medien zitiert und veröffentlichte bereits einen Beitrag im rechtsextremen Blatt „Der Eckart“.[1] Obfrau der Mädelschaft Iduna zu Linz ist Christine Baumgartner, ehemalige Landesobfrau des freiheitlichen Lehrervereins (FLV) Oberösterreich.

Christine Baumgartner

Stellvertretende Obfrau und bekanntestes Mitglied ist Anneliese Kitzmüller, FPÖ-Nationalratsabgeordnete und stellvertretende Bundesobfrau des Freiheitlichen Familienverbands Österreich (FFVÖ). Kitzmüller ist außerdem führende Funktionärin der rechtsextremen Österreichischen Landsmannschaft Oberösterreich und Autorin in der rechtsextremen Zeitschrift „Die Aula“. 2014 trat Kitzmüller auch als Rednerin bei der alljährlich im Kärntner Bleiburg stattfindenden „Gedenkfeier“ zur Tötung der Soldaten des kroatischen faschistischen Ustasa-Regimes auf, zu welchem jedes Jahr zehntausende Rechtsextreme und Neo-Nazis pilgern. Dass Kitzmüller auch in Geschlechterfragen ein konservatives Mann-geht-hackeln, Frau-bleibt-zu-Hause-Konzept vertritt ist nicht verwunderlich. So äußert sie sich als FPÖ-Familiensprecherin in einer Presseaussendung ablehnend gegenüber des 2010 von Frauenministerin Heinisch-Hosek eingeführten „Papa-Monat“, das die Möglichkeit einer Karenzierung des 2. Elternteils während des gesetzlichen Mutterschutzes des 1. Elternteils gesetzlich regelt. Ähnlich rechtskonservativ und homophob äußert sich Kitzmüller als sie von einem „schwarzen Tag für Kinder“ sprach, nachdem der Verfassungsgerichtshof das Verbot der Wahlkindadoption durch homosexuelle Paare als verfassungswidrig verurteilte. In alt bekannter (rechts-)konservativer Manier, instrumentalisiert sie das „Kindeswohl“, um LGBT-Menschen die rechtliche Gleichstellung abzusprechen: “Niemand behauptet, dass Homosexuelle schlechte Eltern seien, aber ein derartiges Konstrukt ist ungeeignet für die Psyche der Kinder.” Nicht nur fällt Kitzmüller immer wieder mit homophoben Aussagen aus, auch bezeichnete sie die Abbildung eines trans-Modells im Zuge der Plakate des Life-Balls 2014 als „sittliche Gefährdung samt Irreleitung des Geschlechtstriebes“. Die FPÖ erstattete damals Anzeige auf Basis des Pornographiegesetzes. [2] [3]

Anneliese Kitzmüller

Anneliese Kitzmüller

Schriftführerin der Mädelschaft Iduna ist Bettina Wokatsch-Ratzberger, die 2015 auf dem 9. Listenplatz für die FPÖ bei den oberösterreichischen Landtagswahlen antrat. Derzeit arbeitet Wokatsch-Ratzberger als Allgemeinärztin in Ennsdorf, Niederösterreich.

Bettina Wokatsch-Ratzberger

Kassierin und Schriftwärtin ist Anna Lindlgruber, die 2009 auf dem 49. Listenplatz bei der Linzer Gemeinderatswahl für die FPÖ kandidierte.

Anna Lindlgruber

Ein weiteres Mitglied und Sprecherin der M! Iduna aus dem freiheitlichen Dunstkreis ist Gudrun Rössner. Rössner kandidierte bei den ÖH-Wahlen 2017 auf dem 30. Listenplatz für den RFS owie auf Universitätsebene für den RFS Jus.

Gudrun Rössner

Gudrun Rössner

Zwei weitere Mitglieder der Mädelschaft Iduna zu Linz sind Gudrun Baumgartner (Fehenmajora) und Julia Geiblinger (Kassenwärtin).

Gudrun Baumgartner

Julia Geiblinger

von links nach rechts: Lindlgruber, Rössner, Baumgartner