Recherche zu “Jugend für das Leben”

Die Gruppe “Jugend für das Leben” gründete sich nach Angaben ihrer Internet-Seite im Jahr 1989 in Linz. Die Hauptaktionen sollen zunächst Vorträge und Schweigemärsche gewesen sein. Seit 2011 findet in Wien sowie in zahlreichen anderen Bundesländern der „Marsch fürs Leben“ statt, immer wieder werden in den Landeshauptstätten auch „Lichterketten für die Ungeborenen“ veranstaltet. Dass der Zuspruch zu den sexistischen Vorstellungen von “Jugend für das Leben” und Co in den etablierten rechts-konservativen Parteien salonfähig ist, zeigt die Tatsache, dass der sesselklebende Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl im Anschluss an die „Lichterkette“ 2015 in Graz zu einer Messe ins Kunsthaus einlädt. [1]

Seit 1997 veranstaltet die “Jugend für das Leben” jedes Jahr die „Pro Life Tour“ (früher: Pro Life Marsch), die den Zweck verfolgt Jugendliche und Kinder für den Anti-Abtreibungs-Kampf zu rekrutieren. Unter dem Motto „Wie weit würdest du für ein Menschenleben gehen?“ wandern dabei ca. 30 Kinder und Jugendliche zu Fuß von einer in die nächste Landeshauptstadt. Im August 2017 marschierte die Gruppe von Graz nach Wien und instrumentalisierte die mitgereisten Kinder, um auf dem Weg ihre sexistischen und patriarchalen Flyer zu verteilen und bei Aktionen in diversen Kleinstädten gegen Menschen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, zu hetzen. [1]

Neben den “Märschen fürs Leben” und den „Pro Life Touren“ bietet “Jugend für das Leben” auch „Schuleinsätze“ an. Wird auf ihrer Homepage derzeit der Inhalt dieser „Schuleinsätze“ nur mehr vage mit den Themenbereichen: „Wann beginnt das Leben?“ oder: „Wie wird eine Abtreibung durchgeführt?“ angedeutet, ließ sich der genaue Inhalte auf der Internet-Seite von “Jugend für das Leben” 2007 noch sehr detailliert finden. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, sind diese nicht nur voll von fadenscheinigen und unwissenschaftlichen Informationen, die den Schüler*innen in den Pflichtgegenständen wie Biologie oder Religion aufgezwungen werden, wie etwa dem “Post-Abortion-Syndrom”, welches eine psychische Erkrankung darstellen soll, die einzig und allein durch die Durchführung einer Abtreibung ausbricht. Weitere absurde Inhalte dieser „Schuleinsätze“: Verhütungsmittel wie die Hormonspirale, die Pille sowie die Pille danach werden als „Frühabtreibung“ bezeichnet. Begründet wird diese Bezeichnung dadurch, dass „sie verhindern, dass sich das bereits empfangene Kind an der Gebärmutterwand einnistet und verursacht so dessen Tod.“ Dass auch andere Faktoren, wie etwa Stress oder hormonelle Bedingungen, die Einnistung einer Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut erschweren oder verhindern und fast immer unbemerkt bleibt, wird hierbei verschwiegen. Ebenso wird verschwiegen, welche körperlichen oder psychischen Folgen das Austragen einer ungewollten Schwangerschaft sowohl für die schwangere Person als auch das Kind selbst haben können. Teil der Schul-Propaganda von “Jugend für das Leben” scheint auch zu sein, gebährfähige Körper vollkommen zu objektifizieren. Dabei wird sogar soweit gegangen, dass Schwangerschaftsabbrüche nach Vergewaltigungen auch moralisch verurteilt werden. Als einzige Argumentation dient dabei: „ein Unrecht kann nicht durch ein anderes Unrecht gutgemacht werden. Bestraft werden muss der Täter und nicht das Kind, das am Verbrechen des Vaters keine Schuld trägt.“ Wenn das Kind ausgetragen wird, wird angeblich „der Mutter viel Leid erspart“, was nicht nur eine vollkommene Zumutung, sondern auch einer Bevormundung von vergewaltigten Menschen gleichkommt. [1]

Die Vereinsadresse von “Jugend für das Leben” ist die Linzer Stahembergstraße 66. Als Vereinsadresse von “Jugend für das Leben” in Wien wird die Beatrixgasse 14a angegeben, im gleichen Gebäude, in dem sich auch der christlich-katholische Verein „Vision 2000 – Verein zur Förderung der Neuevangelisierung“ befindet. Weiters findet sich ein Vereinsregisterauszug von “Jugend für das Leben Steiermark”, welche als Sitz die Ziegelstraße 15A/1 in Graz angeben. Um herauszufinden, dass es sich bei “Vision 2000” um eingefleischte AbtreibungsgegnerInnen handelt, reicht ein Blick in ihr monatlich erscheinendes Magazin „Vision 2000“: Der Schwerpunkt der Ausgabe vom April 2015 sind hetzerische Geschichten und haarsträubende Aussagen rund um das Thema Abtreibung. So wird in einem Artikel dieser Ausgabe z.B. sexualisierter Missbrauch an Kindern mit Abtreibung gleichgesetzt. In einem weiteren Artikel erzählt eine angebliche ehemalige Leiterin einer US-Abtreibungsklinik über ihre Mutation zur fundamentalistischen Abtreibungsgegnerin. In der Ausgabe vom Februar 2014 wird der ehemalige Papst Joseph Ratzinger zitiert, wie er von der „fundamentale[n] Bedrohung des Menschseins durch die Gender-Ideologie“ spricht. [1][2]

Der Großteil der Anhänger*innen und Funktionär*innen von “Jugend für das Leben” sind im jugendlichen sowie jungem Erwachsenenalter. Immer wieder finden sich auf den Märschen fürs Leben und auch anderen Aktionen Kinder in sehr jungem Alter, die als PlakatehalterInnen für die hetzerischen Parolen gegen Abtreibung instrumentalisiert werden. Vorstandsvorsitzender von “Jugend für das Leben” ist Thomas Brüderl. [1]

Thomas Brüderl

Vizevorsitzender ist Manuel Kuhn, der in Salzburg Katholische Fachtheologie studiert und auch am TheologInnen-Zentrum Salzburg tätig ist. Außerdem war er Redner am diesjährigen “Marsch fürs Leben” in Salzburg. Pressesprecherin und ebenfalls Rednerin auf dem diesjährigen “Marsch fürs Leben” in Salzburg war Myroslava Mashkarynets. Mashkarynets schloss sich dort nicht zum ersten Mal der Forderung, die bereits von vielen Seiten der erzkonservativen Ecke der katholischen Kirche kommt, nach einer „mehrtätige[n] Bedenkzeit vor einem Schwangerschaftsabbruch“ an. Dass diese „Bedenkzeit“ auch verpflichtend sein soll und keineswegs wie Mashkarynets und andere Kirchenfundis sagen, zum „Schutz der Frauen und ihrer Kinder“ beiträgt, sondern vielmehr dazu führt, dass Menschen, die einen Abbruch durchführen lassen wollen, noch mehr unter moralischen Druck gesetzt werden sollen, wird verschwiegen. [1][3]

Manuel Kuhn und Myroslava Mashkarynets

Vizesprecherin von Jugend für das Leben ist Barbara Jell aus der Steiermark. [1]

Barbara Jell

Eine weiteres wichtiges Mitglied von “Jugend für das Leben” ist Rosa Büchsenmeister (Kassierin) aus Wien, die immer wieder in Videos und Radiosendungen im Namen von “Jugend für das Leben” spricht. Ebenso ist sie in der Redaktion des von “Jugend für das Leben” herausgegebenen Magazins “lifetimes” und schreibt dort regelmäßig Artikel. In einem Kommentar in der lifetimes-Ausgabe vom Oktober 2016 wettert Büchsenmeister nicht nur gegen die Bemühungen vieler Aktivist*innen und Ärzt*innen Abtreibungen an den Landeskrankenhäusern in den westlichen Bundesländern zu ermöglichen, sondern schreibt auch, dass „das Bereitstellen von Abtreibungen als ´öffentliche Dienstleistung´ wie es ja leider in Österreich schon gang und gebe sei, ist außerdem der erste Schritt in Richtung Abtreibung auf Krankenschein und somit der direkten, erzwungenen Finanzierung der Tötung von Unschuldigen durch jeden Einzelnen von uns.“ Nicht nur, dass Büchsenmeister absurderweise Abtreibungen mit Mord vergleicht, sie spricht sich auch für eine Zurückdrängung von Abtreibungen in private Kliniken aus, obwohl sich bereits jetzt viele Menschen aus finanziellen Gründen gegen eine Abtreibung entscheiden oder durch den großen Andrang in den öffentlichen Spitälern dazu gezwungen sehen, einen Schwangerschaftsabbruch in privaten Kliniken mit enorm hohen Kosten bzw. im Ausland vornehmen zu lassen. Vizekassierin von “Jugend für das Leben” ist Klara Broucek aus Tirol, die auch als Jugendleiterin bei der Diözese Innsbruck arbeitet.

Klara Broucek

Schriftführerin ist Magdalena Haiden aus der Steiermark. [1]

Magdalena Haiden

Vizeschriftführer von “Jugend für das Leben” ist Josef Büchsenmeister, der Volkswirtschaftslehre an der Universität Graz studiert und Bruder von Rosa Büchsenmeister ist. [1]

Josef Büchsenmeister

Ein weiteres Mitglied von “Jugend für das Leben” ist Veronica Ehrenberger aus Vorarlberg, die immer wieder auf den “Märschen fürs Leben” mit dem Mikrophon in der Hand zu finden ist und sich dabei immer wieder zu sexistischen und patriarchalen Aussagen hinreißen lässt wie etwa, dass „im Grunde […] ja keine Frau abtreiben [möchte], sondern […] sich immer aufgrund schwieriger Umstände dazu gedrängt [sieht]“. Eine solche Aussage entspringt einer zutiefst konservativ-stereotypen, biologistischem Verständnis von Geschlechterrollen. [1]

Rosa Büchsenmeister und Veronica Ehrenberger

In den Landeshauptstädten Graz, Innsbruck, Salzburg, Linz, Klagenfurt und in Dornbirn (Vorarlberg) fanden im Herbst 2017 bereits Märsche der AbtreibungsgegnerInnen statt, Berichte davon werden folgen. Den Abschluss dieser Reihe wird der “Marsch fürs Leben” am 25.11.2017 in der Wiener Innenstadt darstellen. Hier findet ihr einen Aufruf zu Gegenprotesten.

Quellen