ChristInnen zum Gruseln – Nachbericht zum “Marsch fürn Arsch” 2018

Die Rosa Antifa Wien hat einen ausführlichen Nachbericht zum “Marsch fürn Arsch” 2018 veröffentlicht:

Auch dieses Jahr hat “Marsch fürn Arsch” gegen den, von christlichen Fundamentalist_innen und Klerikalfaschist_innen organisierten, “Marsch für die Familie” mobilisiert. Jedes Jahr gehen die Fundis am Tag der Regenbogenparade / Vienna Pride auf die Straße und hetzen gegen LGBTIQ+-Rechte, (queer)feministische Forderungen und Errungenschaften.

Zitat aus dem Aufruf

“Mit Slogans wie beispielsweise “Ehe nur zwischen Mann und Frau”, “Kein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare” oder “Unantastbares Lebensrecht ab der Empfängnis” propagieren die Fundis einerseits ein traditionelles, reaktionäres und patriarchales Familienmodell. Andererseits werden die rechtliche Gleichstellung, Sichtbarkeit und Lebensweise(n) von LGBTIQ+-Menschen in den Dreck gezogen. Des Weiteren stellen die Fundis wichtige (queer-)feministische Errungenschaften wie die Fristenlösung (Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbrüchen bis zum 3. Schwangerschaftsmonat) in Frage.”

Fight Fundis Streetart

Wir sind auf Indymedia darüber gestolpert und wollen euch das natürlich nicht vorenthalten: Im Vorfeld des “Marschs für die Familie” wurde offenbar ein Haus in Wien verschönert. “Fight Fundis” ist nun von Weitem zu sehen.

In der Wiener Innenstadt

Während sich auf der Regenbogenparade Zigtausende Menschen tummelten, haufenweise “Marsch fürn Arsch”-Infoflyer verteilt wurden und einige solidarische Initiativen den Info-Jingle abspielten, sammelten sich ca. 260 Fundis am Michaelaplatz im 1. Bezirk.
Um 13:00 Uhr organisierte das Bündnis “Nicht mit mir” gegen den “Marsch für die Familie” eine Kundgebung nahe dem Stephansdom – die einzige nicht untersagte -, die zum Treffpunkt für zahlreiche (queer)-feministische Aktivist_innen wurde.

Mobile Ausstellung zum “Marsch für die Familie”

Bei der Kundgebung wurde eine mobile Ausstellung mit Infotafeln zum “Marsch für die Familie” installiert, um Passant_innen und Touris über das Geschehen zu informieren.

(Queer)Feministische Intervention

Außerdem wurde der gesamte Weg der geplanten Fundiroute mit “blutigen” Binden, Tampons und Infoflyern gepflastert. Die feministische Intervention sorgte für einiges an Irritation und entsetzten “Igitt”-Rufen.

Adbusting

Die Infoflyer sorgten nochmals speziell für Verwirrung – vor allem bei den “Marsch für die Familie”-Teilnehmer_innen, denn diese waren in bester Adbusting-Manier erstellt und sahen den Fundi-Flyern täuschend ähnlich. Der “Teufel” steckt bekanntlich im Detail: Statt der heteronormativen Keimzelle des Staates war da eine Regenbogenfamilie abgebildet, statt “Plattform Familie” die “Plattform Feminismus”, statt frauen*- und LGBTIQ+-feindlicher Propaganda war eine Reihe von (queer)-feministischen, emanzipatorischen Forderungen zu lesen. Da mussten so manche Fundis schwer schlucken. Ihr Design können sie jedenfalls in die Tonne treten.

Antifaschistisches Ballett

Bei der feministischen Kundgebung wurden symbolische Leichenumrisse mit Kreide auf den Boden gemalt, LGBTIQ+-Forderungen festgehalten und das antifaschistische Ballett sorgte mit seiner Performance für Interesse bei den Passant_innen und bei den anwesenden Cops für leichte Unruhe, weil der Platz nicht “zeitgerecht” für die Fundis geräumt wurde.

Die Gegenkundgebung musste nach den Aktionen am Stephansplatz 50m in die Kärntnerstraße ziehen. Die Versuche, jegliche Proteste in Sicht- und Hörweite der Fundis zu untersagen, führt wohl dazu, dass sich Aktivist_innen für die nächsten Jahren Strategien überlegen werden, wie sie dennoch weiterhin den Fundis die Hölle heiß machen können.

Bericht von nochrichten.net

Zitat von nochrichten: “Entlang ihrer Marschroute wurden die Rechtsextremen immer wieder mit Sprechchören konfrontiert. Beim Einzug auf den Stephansplatz mussten die Rechtsextremen über am Boden liegende blutrote Binden und Tampons sowie auf den Boden gemalte Leichen gehen.”

Die Ideologie der Christen-Fundis und Klerikalfaschist_innen gefährdet die physische und psychische Unversehrtheit von Frauen*, Schwangeren, LGBTIQ+-Personen. Ein Verbot und Kriminalisierung von Abtreibungen gefährdet die Gesundheit oder tötet Schwangere, LGBTIQ+-feindliche Hetze kann weltweit töten. Doch die Hetze ist den Fundis nicht genug. Im Radiobeitrag von nochrichten kann nachgehört werden: “Wir müssen kämpfen!” und “Gewaltfreiheit kann kein Weg sein!”. Dabei wird primär Bezug auf Abtreibungen genommen. Diese Reden bringen Anschläge gegen (Planned-Parenthood-)Kliniken in den USA in Erinnerung. Es wäre nicht das erste Mal, dass selbsternannte “Lebenschützer” mit Gewalt gegen Ärzt_innen oder Pro-Choice-Aktivist_innen vorgehen.

Zaungäste

Am Rande des “Marschs für die Familie” tauchten auch drei “Identitäre” auf und das rechtsextreme Magazin “Info-Direkt” – welches zuvor den Marsch angekündigt hatte – nutzte die Gelegenheit um zielgruppengerechte Werbung zu machen.

Repression

Im 1. Bezirk waren nicht nur Cops in Uniform anwesend, sondern auch wieder einmal einige Zivis und “Verfassungsschutz”-Beamt_innen. Diese interessierten sich erwartungsgemäß nicht im Geringsten für die offenen Gewaltaufrufe der Klerikalfaschist_innen. Stattdessen wurden willkürlich 4 Personen festgenommen, die von den Repressionsbehörden den Pro-Choice-Protesten zugeordnet wurden. Die Rechtshilfe konnte am frühen Abend die Freilassung der letzten betroffenen Person vermelden.