Recherche zu “Aktion Leben Österreich”

Die Akion Leben wurde 1955 von Jesuitenpater Georg Josef Strangfeld und Kardinal König in Wien gegründet und bezeichnet sich selbst als „die Lebensschutzbewegung in Österreich“. Laut ihrer Website setzt sich die Aktion Leben für den „Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum Tod“ ein und ist ein unabhängiger, gemeinnütziger und staatlich anerkannter Verein.

Hauptaufgabengebiet der Aktion Leben stellt die Beratung von schwangeren Frauen (1), zukünftigen Vätern, Familien sowie Paaren dar. Des Weiteren bietet der Verein Workshops für Kinder und Jugendliche in Schulen sowie Weiterbildungsangebote und Unterrichtsmaterialien für Bildungseinrichtungen an. Ein weiterer Schwerpunkt der Aktion Leben besteht in der politischen Betätigung, so organisiert der Verein immer wieder Vorträge, bezieht in Presseaussendungen oder Interviews Stellung zu sozialpolitischen sowie biomedizinischen Themen oder ruft Unterschriftenaktionen ins Leben.

Auch wenn sich die Aktion Leben besonders viel Mühe gibt, als partei-, ideologie und konfessionslose Organisation rüberzukommen, die nur daran interessiert ist, eine neutrale Schwangerschaftsberatung anzubieten und schwangeren Personen nicht gegen ihren Willen zu irgendetwas zu überreden, ist es fast unmöglich ihr das abzukaufen. Zwar behauptet die Aktion Leben auf ihrer Webseite und in zahlreichen Interviews „ergebnisoffene“ Beratung durch ein professionelles Team anzubieten, doch ist das schwer zu glauben, wenn mensch sich das Weltbild von Aktion Leben näher anschaut. Durch Aussagen wie etwa der folgenden: „Jede und jeder von uns hat als Embryo mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle begonnen.“ wie auf der Website des Vereins zu lesen ist wird schnell klar, dass dieser Verein die rückständige Auffassung vertritt, dass das menschliche Leben ab der Empfängnis beginnt und einem Zellhaufen somit fundierte Rechte zustehen. Eigentlich ist das kein Wunder, haben das doch alle Gruppen, die sich als „Pro-Life“ verstehen gemeinsam. Anders als ihre KollegInnen von Human Life International und Pro Vita verzichtet die Aktion Leben geschickt auf platte Anti-Abtreibungs-Parolen in denen von „Abtreibung ist Mord“ oder „Baby-Holocaust“ die Rede ist und formuliert das Drängen einer schwangeren Person zum Austragen ihres Kindes und somit ihr Arbeitsziel als erfüllt, wenn: „Schwangerschaft und Geburt von allen Beteiligten positiv erlebt werden können und die Gesellschaft die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schafft.“ Ist es zwar an sich lobenswert die gesellschaftlichen und finanziellen Bedingungen fürs Kinderkriegen verbessern zu wollen, ist es dennoch legitim einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen, wie etwa auf Grund der bloßen Tatsache, den eigenen Körper nicht für neun Monate zur Austragung eines Kindes zur Verfügung stellen zu wollen. Abtreibungen werden von der Aktion Leben eindeutig als etwas Negatives gesehen, dass es möglichst zu vermeiden gilt. Immer wieder taucht der Begriff

Schwangerschaftsabbruch zusammen mit Wörtern wie „Problematik“, „Krise“, „Konflikt“ auf ihrer Webseite auf, was den Anschein erweckt, dass die Entscheidung für eine Abtreibung für alle schwangeren Personen schwierig und konfus abläuft. In vielen Fällen, mag das auch der Fall sein, bei vielen Personen ist es jedoch legitimerweise eine recht simple Entscheidung.
Wie es bei fast allen Lebensschutzorganisationen der Fall ist, wird viel über die negativen Konsequenzen von Abtreibungen für die schwangere Person gesprochen, die Austragung eines Kindes aber als der zwar anstrengendere aber gesündere Lösungsweg dargestellt. Leider lässt sich durch Beratung und finanzielle Unterstützung eine ungewollte Schwangerschaft nicht immer zur besseren Lösung für eine schwangere Person machen. Es ist hingegen sehr fragwürdig ob das Austragen eines ungewollten Kindes sinnvoll ist. Es zeugt einerseites von einer sehr reaktionären, traditionellen und sexistischen Vorstellung, das politischen Ziel zu haben, „passende Bedingungen“ zu schaffen, damit alle Schwangerschaften ausgetragen werden und ist fast schon ironisch das auch noch als ergebnisoffen zu verkaufen.

Anders als die Fundis von Human Life International und Pro Vita gesteht die Aktion Leben einer schwangeren Person ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit zu, gleichzeitig wird aber die Elternschaft immer als der „natürlichere“ und in jedem Fall der erstrebenswertere Weg dargestellt was durch Aussagen von Aktion Leben MitarbeiterInnen, die recht häufig anzufinden sind, sichtbar wird: „Vielleicht gibt da doch noch Ressourcen“[1]. Aus einer solchen Überzeugung heraus entstehen an Absurdität grenzende Erklärungsmuster für ungewollte Schwangerschaften, wie z. B.: das folgende „In vielen Fällen steckt hinter einem inkonsequenten Verhütungsverhalten ein ambivalenter Kinderwunsch.“ wie in einem der diversen Unterrichtsbehelfen der Aktion Leben zu lesen ist. Dass eventuell die mangelnde Zugänglichkeit zu Verhütungsmitteln ein Grund für ungeplante Schwangerschaften sein könnte, ist für die Aktion Leben kein Thema. Die Tatsache, dass sich die noch immer amtierende Generalsekretärin des Vereins Martina Kronthaler 2009 hinsichtlich der Rezeptfreistellung der Pille-danach „bestürzt“ zeigte, zeugt davon, dass sich die Aktion Leben keineswegs für uneingeschränkten Zugang zu Verhütungsmitteln einsetzt [2]. Auch interessiert es die Aktion Leben herzlich wenig, ob Abtreibungen für möglichst alle zugänglich sind, ganz im Gegenteil: In einer Aussendung bezeichnet der Verein den Vorstoß des ehemaligen Gesundheitsministers Alois Stöger Abtreibungen in allen öffentlichen Spitälern anzubieten als „heuchlerisch und einseitig“ und das obwohl sich die Durchführung einer Abtreibung in öffentlichen Krankenhäusern in Westösterreich nach wie vor als äußerst schwierig darstellt.
Nicht nur hinsichtlich Verhütungsmittel, auch was Zugänglichkeit zu Schwangerschaft selbst betrifft, schaut es bei der Aktion Leben anders aus, als sie das gerne darstellen wollen. Obwohl sich der Verein immer vehement dagegen wehrt Verbindungen und Nähe zur katholischen Kirche aufzuweisen, schloss sich die Aktion Leben 2015 mit dem Katholischen Familienverband, Katholischer Aktion Österreich und dem Verband Katholischer Verbände zusammen, um gegen die Novellierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes zu protestieren. Das Fortpflanzungsmedizingesetz legalisierte unter anderem den Zugang zu Samenspenden für lesbische Paare sowie die Legalisierung der Eizellenspende.

2014 startete die Aktion Leben eine Bürgerinitiative mit dem Titel „Fakten helfen“ und forderte mit dieser die Einführung einer anonymen Statistik über Anzahl an Schwangerschaftsabbrüchen in Österreich und deren Motive. Der Verein konnte mehr als 50.000 Unterschriften für ihre Anliegen sammeln, obwohl die Motive für Abtreibungen eigentlich auf der Hand liegen. Anstatt sich für die Einführung von kostenfreien Verhütungsmitteln einzusetzen, will die Aktion Leben schwangere Personen, die sich angeblich in einem „Schwangerschaftskonflikt“ befinden, mit sinnlosen Fragen terrorisieren.

Wie bereits erwähnt ist die derzeitige Generalsekretärin der Aktion Leben Mag. Martina Kronthaler, die trotz der angeblich überkonfessionellen Ausrichtung ihres Vereins regelmäßig in kirchlichen Medien interviewt wird.

Martina Kronthaler

Martina Kronthaler

Präsidentin der Aktion Leben ist Dr. Gertrude Steindl, Vizepräsident Univ.-Prof. Dr. Paul Aiginger.

Dr. Gertrude Steindl

Dr. Gertrude Steindl

Im Vorstand der Aktion Leben befinden sich einige „interessante“ Personen. Obwohl sich der Verein als „pateipolitisch unabhängiger“ bezeichnet, befinden sich einige ÖVP-Mitglieder in den Reihen des Vorstandsteam, wie etwa Mag. Paul Hefelle, ÖVP-Bezirksrat in Wien Leopoldstadt und Bezirksobmann des ÖAAB Wien Leopoldstadt. Hefelle ist nicht nur Mitglied in der katholischen Burschenschaft Franco-Bavaria Donaumark Wien, sondern auch eifriger Unterstützer seiner Parteikollegin Gudrun Kugler, die als „Menschenrechtssprecherin“ der derzeitigen ÖVP-FPÖ-Koalition immer wieder homophobe, rassistische und sexistische Parolen von sich gibt.

Mag. Paul Hefelle

Mag. Paul Hefelle

Hefelles Parteikollege Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal – „Sozialrechtsexperte“ im „Expertenteam“ von Bundeskanzler Sebastian Kurz – und maßgeblicher Gestalter des „Sozialstaat neu“ ist (wie der Abbau des Sozialstaats der derzeitigen Regierung bezeichnet wird) befindet sich ebenfalls im Vorstandsteam der Aktion Leben. Mazal ist Lehrender am Institut für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien und Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung. Mazal stützte mittels eines Gutachtens etwa den Gesetzentwurf der ÖVP, der die Kürzung der Familienbeihilfe von im EU-Ausland lebenden Kindern ab 1. Jänner 2019 vorsieht. Mazal lässt immer wieder sein elitäres, reaktionär- konservatives Gehabe raushängen, wenn er mit fadenscheinigen Vorschlägen kommt, wie etwa Arbeitslose für die 24-Stunde-Pflege einzusetzen oder die Einführung der 60-Stunden-Woche verteidigt [3]. Ganz in der Manier der ÖVP schwadroniert er immer wieder homophobe Parolen, so spricht Mazal hinsichtlich der Entscheidung des Verfassungsgerichtshof zur Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare von einer „Verfremdung des Ehebegriffs“. Kein Wunder eigentlich, dass Mazal seit 1977 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.St.V. Nibelungia zu Wien ist, die Teil des Österreichischen Cartellverband ist. 2011 kritisierte der Vorortspräsident des Cartellverbands in einem Interview mit der Presse die Fristenregelung scharf und forderte schon damals eine verpflichtende Bedenkzeit vor einer Abtreibung wie es im derzeitigen Regierungsprogramm auch vorgesehen ist. Welch sexistisches, misogynes, objektifizierendes und reaktionäres Menschenbild der Cartellverband vertritt, lässt sich auch noch aus weiteren Aussagen hinsichtlich Schwangerschaftsabbrüche herauslesen: „Selbst bei Vergewaltigungsopfern wäre es schön, wenn das Kind zur Welt kommen dürfe. Danach gebe es einige Möglichkeiten: eine Adoption etwa oder die Babyklappe.“ [4] Dass Mazal mit solch einer Ansicht auf einer Linie steht, ist nur sehr schwer zu bezweifeln.

 Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal

Seit April 2018 befindet sich mit Dipl. Päd. Ursula Prader auch eine ehemalige grüne Gemeinderätin im Vorstand der Aktion Leben.

Dipl. Päd. Ursula Prader

Dipl. Päd. Ursula Prader

Wieso sich die Aktion Leben immer wieder von der katholischen Kirche distanziert ist fragwürdig, da Elisabeth Kapper-Weidinger nicht nur im Vorstand des Vereins tätig ist, sondern auch Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Steiermark ist.

(1) Die Aktion Leben spricht durchgängig von schwangeren Frauen, Fakt ist jedoch, dass auch Personen, die nicht cis-weiblich sind, schwanger sein können, also z.B.: trans-, nicht-binäre oder genderqueere Personen.

Quellen und weiterführende Informationen
[1] https://www.sn.at/panorama/oesterreich/abtreibung-allein-eine-frage-des-gewissens-28950271

[2] https://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/529042/Pille-danach_Reaktionen-zwischen-Freude-und-Bestuerzung

[3] https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5257028/Mazal-fuer-Einsatz-von-Arbeitslosen-in-der-Pflege

[4]https://diepresse.com/home/innenpolitik/662170/Cartellverband_Zwischen-Dollfuss-und-dem-lieben-Gott?_ga=2.134919537.187904811.1534853754-1266847232.1533487425