Textreihe zu “Rechter Ökologie”. Teil 1: Einführung

Klimapolitische und ökologische Debatten treten aktuell stark in den Vordergrund: realpolitisch, also Umweltschutz und Ökologie in den Parteiprogrammen, und gesellschaftlich, wie die diversen globalen Proteste und Protestbewegungen zeigen. Daher startet fida eine Textreihe zu Ökologie & Rechtsextremismus, die jene Thematik aus einer feministischen Perspektive betrachtet und behandelt. Der erste Teil der Reihe beschäftigt sich überblickshaft mit einer Einführung und Annäherung zum Thema – was bedeutet Ökologie im Zusammenhang mit rechtsextremen Ideologien, und was steckt dahinter?

Das antifaschistische pressearchiv und bildungszentrum berlin fasste in ihrem Mitte des Jahres erschienenen Artikel zu „Ökologie von rechts“ vier Schwerpunktsetzungen rechter und rechtsextremer Ideologien in Bezug auf Ökologie zusammen: Ökologie als Politikfeld, die Verschränkung von Ökologie und Wirtschaft, der Klimawandel im Allgemeinen sowie die Rezeption von sozialen Bewegungen.

Ökologie als Politikfeld in rechtsextremen Ideologien meint unterschiedliche Aspekte von politischen und ideologischen Vorstellungen, zentral ist dabei allerdings eine bestimmte Vorstellung von „Natürlichkeit“. Diese Naturalisierung dient der Legitimierung von einer vermeintlichen „Überlegenheit“ des „eigenen Volkes“ – ganz im Sinne der Volksgemeinschaftsideologie – bis hin zur „Erhaltung der deutschen Art“; sowie antisemitischer, rassistischer und sexistischer Diskriminierungen und Politiken.

„Naturschutz bedeutet Heimatschutz“

Das Konzept des Ethnopluralismus, also konstruierte Zugehörigkeiten bestimmter „Völker“ zu bestimmten „Kulturen“, spielt im rechtsextremen Verständnis von Umweltschutz ebenfalls eine wesentliche Rolle. Es kommt zu einer „Parallelisierung von Naturschutz und ethnopluralistischen Kulturkonzepten, in denen ›Völker‹ ähnlich wie Tierarten in ihrem angestammten Lebensraum schützenswert sind“ (apabiz:2). Damit wird auch die Ablehnung von Migrant*innen begründet, da Migration (unter anderem) „negative ökologische Folgen habe“. Der ehemalige Innenminister und FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl erklärte erst Mitte dieses Jahres, dass er begrifflich von Naturschutz (und nicht Umweltschutz) sprechen würde, da dieser Begriff für ihn auch Heimatschutz bedeute; und gleichzeitig „Aspekte wie Sicherheit, Asyl und soziale Gerechtigkeit“ inkludiert wären, wo sich „der Kreis mit der Zuwanderung schließe“.

„Grün ist national“

Heribert Schiedel betont in seinem Text „»Mutter Erde« statt »Blut und Boden«“ (1994), dass Ökologie eine der ursprünglichsten rechtsextremen Thematiken ist, und keineswegs ein „Modethema“ (Schiedel 1994:124). Rassismus und Ökologie gehen auch da Hand in Hand, wo es um die biopolitische „Regulierung von Bevölkerung“ geht: die Forderung nach „Geburtenstopp“ in Ländern des globalen Südens und „Gebärzwang“ wiederum in den Nationalstaaten des Westens (Schiedel 1994:128). Letzteres wird auch in der Forderung nach Abtreibungsverboten deutlich.

Grünes Feindbild

Gerade rechte und rechtsextreme Parteien stehen beim Thema Ökologie in klarer Konkurrenz und Feindschaft zu Grünen-Parteien, die in ihrer Vereinnahmung der ökologischen Thematiken als besonders bedrohlich wahrgenommen werden. Um sich Ökologie als rechtes Politikfeld (wieder) anzueignen, wird unter anderem versucht, die Grünen als „widersprüchlich“ darzustellen: sich für feministische Konzepte und Homosexualität einzusetzen gelte als „unnatürlich“ und demnach wären die Grünen eine politische „Mogelpackung“ (apabiz:2).

Oliver Geden stellt in seinem Buch Rechte Ökologie treffend fest: „(…) daß es das Ziel und teilweise auch die Voraussetzung umweltpolitischen Engagements sein muß, Emanzipation und Selbstbestimmung des Menschen zu fördern, wozu Umweltschutz nur eine Komponente unter vielen anderen darstellt. Eine „rechte“ Interpretation ökologischer Zusammenhänge erfüllt hingegen den Zweck, eine anti-emanzipatorische Politik zu legitimieren, die Einbindung des Menschen in gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse (wieder-)herzustellen“ (Geden 1999:11). Da lässt sich letztendlich auch der Unterschied und die Problematik rechter und rechtsextremer Vorstellungen und Besetzung ökologischer Themen festmachen.

Zusätzliche Literaturvorschläge:
  • Magazine apabiz (2019): Ökologie von rechts
  • Heribert SCHIEDEL (1994): “Mutter-Erde” statt “Blut-und-Boden”: Die ökologisch-spirituelle Erneuerung des Faschismus
  • Oliver GEDEN (1996): Rechte Ökologie: Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus
  • Thomas JAHN & Peter WEHLING (1991): Ökologie von rechts: Nationalismus und Umweltschutz bei der Neuen-Rechten und den “Republikanern”
  • Andreas SPEIT (2014): Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von Rechts