Corona und Antifeminismus

Nach einem längeren Lockdown-Schlaf wollen wir uns wieder zurückmelden: Bereits mehr als ein Jahr Corona-Pandemie ist vorüber und noch immer ist nicht alles wieder beim Alten. Corona hat nicht nur über 10.000 in Österreich und weltweit offiziell dreieinhalb Millionen Todesopfer gefordert, sondern auch einige Maßnahmen notwendig gemacht, die massive psychische und physische Schäden auf einen großen Teil der Bevölkerung ausgeübt hat bzw. nach wie vor ausübt. Neben vielen sichtbaren Folgen wie beispielsweise dem Anstieg der Arbeitslosenzahlen konnten durch die Corona-Pandemie ein paar wenige gesellschaftspolitische Themen mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit und in den Mainstreammedien erlangen. Dazu zählen unter anderem die – durchaus positiv zu bewertende – verstärkte Thematisierung von psychischer Gesundheit von Jugendlichen und Arbeitsrealitäten von migrantischen Pflegekräften und Erntehelfer*innen.

Weniger offensichtliche und schwer messbare, vor allem durch die Ausgangsbeschränkungen verursachte Auswirkungen der Pandemie vollzogen sich unter anderem auch im Bezug auf die Struktur der Gesellschaft: Während der harten Lockdowns ordnete die österreichische Bundesregierung nicht nur an, keine Menschen außerhalb der Kernfamilie (und gemeint wurde damit Mutter, Vater, Kind) zu treffen, sondern setzte diese Forderung auch mit der Verhängung von Geldstrafen um. Im Laufe der Pandemie wurde Single-Haushalten zumindest zugestanden, sich mit einer einzigen nahen Bezugsperson zu treffen. So oder so bedeutete dies ein staatlich angeordneter Rückzug ins Private. Beziehungen fernab der bürgerlichen Kleinfamilie, also solche mit Freund*innen und Bekannten, wurden nicht als gleichwertig und gleich wichtig erachtet, obwohl für viele LGBTIQ-Personen oder Migrant*innen diese die wichtigsten darstellen. Der Rückzug ins Private vollzog sich auch in Form einer massiven Zurückdrängung gesellschaftlicher Aufgaben wie Schulbildung oder Versorgung von Kleinkindern, in die (Klein-)Familien und wurden damit zum Großteil Frauen* aber auch FLINT-Personen aufgebürdet. Die sich zu Beginn der Pandemie gebildeten nachbarschaftlichen Hilfsstrukturen flauten leider schnell ab und deckten sowieso nur einen kleinen Bruchteil der lebensnotwendigen Care-Arbeit ab. Eine weitere, aus einer Gender-Perspektive interessante aber auch gefährliche Entwicklung stellt die Formierung der hiesigen Corona-Leuger*innen und -Verharmloser*innen-Szene dar: Obwohl die Lockdowns, wie oben beschrieben, zu einem Wiederaufleben der (heteronormativen-)Kernfamilie geführt hat und das konservative bis rechtsextreme Personen freuen sollte, verbreiteten sie in regelmäßigen Abständen zu tausenden sexistisch, rassistisch und antisemitisch untermalene Verschwörungserzählungen auf den österreichischen Straßen. Neben den patriarchalen Bildern, die die Argumentationen der Corona-Schwurbler*innen schmücken, soll sich die folgende fida-Reihe auch mit dem Einfluss bereits bekannter rechtskonservativer und christlich-fundamentalistischer Persönlichkeiten auf diese Szene widmen.