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Bericht vom “Marsch fürs Leben” 2017 in Wien

Am 25.11.2017, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, versammelten sich 150-200 Fundis in Wien. Nach einer Messe mit dem Weihbischof Franz Scharl in der Franziskanerkirche startete um 14:00 Uhr die Auftaktkundgebung am Franziskanerplatz.

Manuel Kuhn und Julia Cop moderierten und begrüßten Caroline Hungerländer (Ex-AG, Junge ÖVP Wieden, ÖVP-Abgeordnete zum Wiener Landtag und Gemeinderat) und Christoph Vavrik (Ex-NEOS-LIF, jetzt ÖVP) auf der Bühne. Caroline Hungerländer positionierte sich in einem Video antifeministisch zum Thema Gendern: „Nein zu gegenderter Sprache. Für mein Selbstbewusstsein als Frau brauche ich kein Binnen-I.” [1]

Manuel Kuhn als Moderator am “Marsch fürs Leben” 2017 in Wien (Foto von @MichaelBonvalot) Continue reading “Bericht vom “Marsch fürs Leben” 2017 in Wien”

Bericht von den “Märschen fürs Leben” 2017 in Österreich

In den letzten Wochen haben in ganz Österreich zahlreiche sogenannte “Märsche fürs Leben” stattgefunden. Organisiert wurden diese von den ultra-religiösen Abtreibungsgegner_innen “Jugend für das Leben” (weitere Infos dazu findest du hier). Ihr Ziel ist es, “Abtreibungen und jegliche anderen Angriffe auf unschuldiges, wehrloses Menschenleben undenkbar zu machen” [1]. Eine weitere Forderung ist eine verpflichtende, “mehrtägige Bedenkzeit vor einem Schwangerschaftsabbruch“, welche den moralischen Druck gegenüber der betroffenen Person massiv verstärken würde. Damit schließen sie sich nach eigener Aussage Forderungen von FPÖ- und ÖVP-Politiker_innen an [2]. Die selbsternannten “Lebensschützer“ behaupten, Leben retten zu wollen. Doch wer das Leben ungewollt schwangerer Menschen schützen will, muss Abtreibungen legalisieren! Repressive Abtreibungsregelungen zwingen Menschen in vielen Ländern (wie z.B. Polen oder Irland) zu illegalen Schwangerschaftsabbrüchen. Diese sind meist teuer und stellen ein hohes gesundheitliches Risiko dar. Ihr Ziel liegt allein darin, nationalistische und patriarchale Machtstrukturen zu sichern. Außerdem instrumentalisieren sie Menschen mit Behinderung für ihre Zwecke, indem sie sich gegen Abtreibung von Kindern mit Behinderung aussprechen [3]. Einen Artikel zum Verhältnis von Ableismus, Pränataldiagnostik und der Parole “Selbstbestimmung” in feministischen Bewegungen von Kirsten Achtelik findet ihr hier. Diese reaktionären Märsche sind ein Angriff auf das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und über die Gebärfähigkeit von Frauen und anderen Menschen, die schwanger werden können. Wie bereits angekündigt, werden wir hier von diesen Märschen und den Gegenprotesten berichten. Continue reading “Bericht von den “Märschen fürs Leben” 2017 in Österreich”

Recherche zu “Jugend für das Leben”

Die Gruppe “Jugend für das Leben” gründete sich nach Angaben ihrer Internet-Seite im Jahr 1989 in Linz. Die Hauptaktionen sollen zunächst Vorträge und Schweigemärsche gewesen sein. Seit 2011 findet in Wien sowie in zahlreichen anderen Bundesländern der „Marsch fürs Leben“ statt, immer wieder werden in den Landeshauptstätten auch „Lichterketten für die Ungeborenen“ veranstaltet. Dass der Zuspruch zu den sexistischen Vorstellungen von “Jugend für das Leben” und Co in den etablierten rechts-konservativen Parteien salonfähig ist, zeigt die Tatsache, dass der sesselklebende Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl im Anschluss an die „Lichterkette“ 2015 in Graz zu einer Messe ins Kunsthaus einlädt. [1]

Seit 1997 veranstaltet die “Jugend für das Leben” jedes Jahr die „Pro Life Tour“ (früher: Pro Life Marsch), die den Zweck verfolgt Jugendliche und Kinder für den Anti-Abtreibungs-Kampf zu rekrutieren. Unter dem Motto „Wie weit würdest du für ein Menschenleben gehen?“ wandern dabei ca. 30 Kinder und Jugendliche zu Fuß von einer in die nächste Landeshauptstadt. Im August 2017 marschierte die Gruppe von Graz nach Wien und instrumentalisierte die mitgereisten Kinder, um auf dem Weg ihre sexistischen und patriarchalen Flyer zu verteilen und bei Aktionen in diversen Kleinstädten gegen Menschen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, zu hetzen. [1]

Neben den “Märschen fürs Leben” und den „Pro Life Touren“ bietet “Jugend für das Leben” auch „Schuleinsätze“ an. Wird auf ihrer Homepage derzeit der Inhalt dieser „Schuleinsätze“ nur mehr vage mit den Themenbereichen: „Wann beginnt das Leben?“ oder: „Wie wird eine Abtreibung durchgeführt?“ angedeutet, ließ sich der genaue Inhalte auf der Internet-Seite von “Jugend für das Leben” 2007 noch sehr detailliert finden. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, sind diese nicht nur voll von fadenscheinigen und unwissenschaftlichen Informationen, die den Schüler*innen in den Pflichtgegenständen wie Biologie oder Religion aufgezwungen werden, wie etwa dem “Post-Abortion-Syndrom”, welches eine psychische Erkrankung darstellen soll, die einzig und allein durch die Durchführung einer Abtreibung ausbricht. Weitere absurde Inhalte dieser „Schuleinsätze“: Verhütungsmittel wie die Hormonspirale, die Pille sowie die Pille danach werden als „Frühabtreibung“ bezeichnet. Begründet wird diese Bezeichnung dadurch, dass „sie verhindern, dass sich das bereits empfangene Kind an der Gebärmutterwand einnistet und verursacht so dessen Tod.“ Dass auch andere Faktoren, wie etwa Stress oder hormonelle Bedingungen, die Einnistung einer Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut erschweren oder verhindern und fast immer unbemerkt bleibt, wird hierbei verschwiegen. Ebenso wird verschwiegen, welche körperlichen oder psychischen Folgen das Austragen einer ungewollten Schwangerschaft sowohl für die schwangere Person als auch das Kind selbst haben können. Teil der Schul-Propaganda von “Jugend für das Leben” scheint auch zu sein, gebährfähige Körper vollkommen zu objektifizieren. Dabei wird sogar soweit gegangen, dass Schwangerschaftsabbrüche nach Vergewaltigungen auch moralisch verurteilt werden. Als einzige Argumentation dient dabei: „ein Unrecht kann nicht durch ein anderes Unrecht gutgemacht werden. Bestraft werden muss der Täter und nicht das Kind, das am Verbrechen des Vaters keine Schuld trägt.“ Wenn das Kind ausgetragen wird, wird angeblich „der Mutter viel Leid erspart“, was nicht nur eine vollkommene Zumutung, sondern auch einer Bevormundung von vergewaltigten Menschen gleichkommt. [1] Continue reading “Recherche zu “Jugend für das Leben””

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der „Identitären Bewegung“

***Gastbeitrag***

Der dritte Teil unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts befasst sich mit politischem Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und der Identitären Bewegung (IB).
In rechtsextremen und/oder rechtspopulistischen Strömungen finden sich einige Ansätze, die sich auch in religiösen Gruppierungen finden, oft nur unter anderen Begrifflichkeiten. So geht es etwa auch im Rechtsextremismus um eine Sinngebung durch ein gemeinsames Ziel und eine Erlösung von den aktuellen Zuständen. Statt mit belegbaren Inhalten wird vielmehr über emotionalisierte Rituale gearbeitet (vgl. Prokop 2007: 177-184). Gerade in politischen Parteien und Bewegungen werden fundamentalistische Denkansätze dabei oft nicht direkt in jener deutlichen Verbissenheit und Kompromisslosigkeit geäußert wie in informelleren Gruppierungen. „Der Fundamentalismus im Europa des 21. Jahrhunderts äußert sich nicht in relevanten Bewegungen und Parteien, die geschlossene Botschaften, die militante Gewissheiten verbreiten. Der Fundamentalismus findet sich heute in Form von Versatzstücken in rechtspopulistischen Parteien, die sich des Vehikels nationaler, oft religiös verbrämter Vorurteile bedienen.“ (Pelinka, 2011: 134) Bei näherer Betrachtung finden sich aber auch in den Strukturen und Argumentationslinien rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien eindeutige fundamentalistische Züge. In der allgemeinen Strukturierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien und Bewegungen lassen sich Parallelen zu denen in fundamentalistischen Strömungen zeichnen. Neben der bereits erwähnten Konzentration auf Emotionalisierung und Ritualisierung, sind sie sich auch ähnlich in dem, wie Gemeinschaft erzeugt wird. Im religiösen wie im politischen Fundamentalismus ist die Konstruktion der eigenen Gemeinschaft und die Abgrenzung zu „den Anderen“ zentrales Element. Neben dem „Wir“, also all jenen, die der (teilweise konstruierten) Gemeinschaft zugerechnet werden, und „Nicht Wir“, also jenen, die außerhalb dieser stehen, wird auch meist noch ein „Die“ konstruiert, mit dem etwa Politik und Wissenschaft gemeint sind. Gerade bei parlamentarischen rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien wie etwa der FPÖ kann das „Wir“ noch differenziert werden in das eigentliche „Wir“ der Partei und ein „Nicht Die (Anderen)“, unter das jene angeblichen Durchschnittsbürger*innen fallen, an die sich die Partei wendet. (vgl. Ajanovic 2014: 251-252)

Neben den strukturellen Gemeinsamkeiten von religiösen und politisch fundamentalistischen Gruppierungen, zeigen sich auch in der konkreten Positionierung zu gesellschaftlichen Themen fundamentalistische Züge, wie ich im folgenden am Beispiel der Äußerungen zu den Themen Gender („Genderismus“, „Genderwahn“) und Feminismus durch die FPÖ und die IB zeigen möchte, die beide aktuell in der Öffentlichkeit präsente Akteur*innen der extremen Rechten in Österreich sind. Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der „Identitären Bewegung“”

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)

Dieser Text stellt den 2. Teil der Recherche zu in Österreich aktiven Mädelschaften im Rahmen unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts dar. Im ersten Teil wurden nach einer kurzen Einleitung, die Rechercheergebnisse der Wiener akademischen Mädelschaft Freya und der Wiener akademischen Mädelschaft Nike präsentiert. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit den folgenden Studentinnenverbindungen: Verein Grazer Hochschülerinnen, Pennale Mädelschaft Sigrid zu Wien und Akademische Mädelschaft Iduna zu Linz.

Verein Grazer Hochschülerinnen
Der Verein Grazer Hochschülerinnen gilt als die älteste Mädelschaft Österreichs, die Neuentstehung fand 1990 statt. Der Verein verfügt mit nur einer Facebook-Seite über weitaus weniger Internet-Präsenz als die meisten Mädelschaften. Ebenso findet sich auf der Facebook-Seite keinerlei Selbstbeschreibung oder -verständnis wie es bei vielen anderen Mädelschaften üblich ist, was den Verein Grazer Hochschülerinnen als gemäßigter erscheinen lässt. Der Verein äußert sich auf ihrer Facebook-Seite auch nahezu gar nicht zu gesellschaftspolitischen Themen, die meisten Postings handeln von Aktivitäten und Ausflügen, die die Mädelschaft während des Uni-Semesters veranstaltet, wie etwa Jul-Festen, Sonnwend-Feiern, Besuchen des Grazer Akademiker-Balls, Spendensammlungen sowie Kneipenabende bei anderen rechtsextremen Burschen- und Mädelschaften. So trifft sich der Verein etwa mit der B! Allemania in der Wartburg oder mit der ADV Barbara in Leoben. Nicht nur die Tatsache, dass sich der Verein Grazer Hochschülerinnen auf Veranstaltungen schlagender Burschenschaften bewegt und in einschlägig als rechtsextrem geltenden Lokalen feiert, sondern auch ihr Vereinssitz, die Leonhardstraße 27 deutet auf ihre deutschnationale Ausrichtung hin. An dieser Adresse befindet sich das Vereinshaus der Akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz, einer schlagenden Studentenverbindung. Im auch unter Gothiahaus bekannten Vereinshaus Gothia sind immer wieder Vorträge mit rechtsextremen Inhalten zu hören. Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)”

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 1)

Der erste Text unserer Recherche-Reihe zum Thema Geschlechterbilder & Antifeminismus von Rechts, befasst sich mit in Österreich aktiven Mädelschaften. Obwohl bereits viele Texte über im deutschsprachigen Raum aktive Burschenschaften verfasst wurden, ist die Literatur über Mädelschaften sehr überschaubar. Sehr gering ist das Wissen darüber, dass viele aktive Politikerinnen* Teil einer (sexistischen) deutschnationalen Mädelschaften sind. Judith Goetz, die bereits zu Mädelschaften in Österreich geforscht hat, geht davon aus, dass derzeit an österreichischen Hochschulen 30 Studentinnenverbindungen aktiv sind. Ebenso wie bei den Burschenschaften können Mädelschaften hinsichtlich ihrer ideologischen (1) Ausrichtung grob in zwei Lager aufgeteilt werden: die deutschnationalen und die christlich-konfessionellen Gruppen. Nach wie vor existiert bei den deutschnationalen Burschenschaften eine strikte Geschlechtertrennung, Frauen dürfen demnach, wie Judith Goetz schreibt, nur an ausgewählten Veranstaltungen teilnehmen und übernehmen „vermeintliche Frauenaufgaben wie die Organisation von Brauchtumsabenden und Sonnwendfeiern oder dienen bei Burschenschafter-Bällen als standesgemäße Tanzpartnerinnen.“ Weiters schreibt Goetz, dass deutschnationale Mädelschaften zwar ähnliche Bräuche wie die Burschenschafter pflegen und Feste feiern, ihnen aber bestimmte traditionelle Rituale untersagt sind, wie zum Beispiel das Fechten. Frauen ist der Zugang zu Burschenschaften noch immer verwehrt, alleine das ist schon Ausdruck dafür welch reaktionäres und sexistisches Weltbild sich hinter (deutschnationalen) Studenten- und Studentinnenverbindungen verbirgt. [1] Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 1)”

Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch. Continue reading “Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts”

Teil 5 der Recherche rund um den „Marsch für die Familie“: Wiedenska Inicjatywa Narodowa

Die Wiedeńska Inicjatywa Narodowa (WIN, Wiener Nationale Initiative) ist ein 2014 gegründeter Verein. Ihren Vereinssitz hat die WIN in der Cothmannstraße 5-7/15, 1120 Wien. Eingetragener Obmann des Vereins ist David Staszkiewicz, stellvertretender Obmann Kamil Polak. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) stuft die Gruppe als „polnische Neofaschisten“ und antisemitisch ein. [1] Sie stehen dem Ruch Narodowy (Nationale Bewegung), Endecja sowie der Młodziesz Wszechpolska (Allponische Jugend) nahe. Weitere Verbindungen bestehen zum Klub Gazety polskiej, Polske Towarzystwo Gimnastyszne Sokoł, Prosto z Mostu sowie zum Klub Sierpien 80 (Polnisch-Österreichischer Klub für Information und Kultur, gegründet 1982 in Wien). Auch pflegt die WIN Kontakte zur österreichischen rechtsextremen Szene, wie beispielsweise der Identitären Bewegung Österreich. Die anonym betriebene neonazistische Website freies-oesterreich bezog sich ebenfalls positiv auf WIN. [2]

WIN gemeinsam mit Teilen der Identitären Bewegung (links)
auf dem „Marsz Niepodległości“ in Warschau 2016.
Auf dem rechten Banner ist ein Bild Dmowskis abgebildet.

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Teil 4 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum

Der vierte Teil der Recherchereihe beschäftigt sich mit der sogenannten Österreichischen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP), die es sich zum Ziel gemacht hat, „die Grundlage der sozial-christlichen Zivilisation zu schützen“ und als Dachverband für verschiedene Organisationen bzw. Vereine fungiert. TFP ist ebenfalls offizieller Unterstützer des „Marsch für die Familie“.

Die „katholischen Soziallehre“ als Grundlage, publiziert TFP unter anderem Bücher wie „Revolution und Gegenrevolution“, das die vermeintliche „Zerstörung der Familie“ und einen generellen „Werteverfall der westlichen Zivilisation“ als Konsequenz der (französischen) Revolution anprangert. Diese habe neben dem Protestantismus den Kommunismus und schließlich auch eine „Kulturrevolution“ hervorgerufen, welche im „sozial-christlichen“ Weltbild nun das Übel darstellen, das es zu bekämpfen gilt. [1]

Den Ursprung findet TFP 1960 in seiner Gründung in Brasilien (Sociedade Brasileira de Defesa da Tradição, Família e Propriedade) durch den anti-kommunistischen und erzkonservativen Plinio Corrêa de Oliveira. Mittlerweile gibt es in rund 26 Ländern Ableger des ursprünglichen Vereins, die alle versuchen, die Ziele und Ideen des Gründervaters – in reaktionärer bis rechtsextremer Tradition stehend – zu verwirklichen. Die Geschichte rund um die brasilianische TFP-Organisation ist allerdings größer und weitreichender, als man auf den ersten Blick vermuten würde: 1964 war beispielsweise eine TFP-Kampagne gegen eine Land-Reform maßgeblich am Putsch und Sturz des damaligen Präsidenten der Brazilian Labour Party beteiligt, dem schließlich ein Konservativer nachfolgte.

In Österreich wurde der Dachverband 1999 mit Benno Hofschulte als Obmann und Carlos Eduardo Schaffer als dessen Stellvertreter gegründet. Mittlerweile befindet sich der TFP-Sitz in der Gußhausstraße 10/19B (1040 Wien), wo gleichzeitig der Verein Österreichische Jugend christlicher Gemeinschaft deutschen Raumes [2] als Träger angeführt wird. Obmann dieses Vereines, 1996 gegründet, ist Mathias von Gersdorff, Stellvertreter ebenfalls wieder Carlos Eduardo Schaffer.

Selbst die liberalen katholischen Frankfurter Hefte klassifizieren TFP als rechtsextreme Sekte. [3] Continue reading “Teil 4 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum”

Teil 3 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Human Life International Österreich

Der dritte Teil unserer Recherchearbeit zum „Marsch für die Familie“ beschäftigt sich mit dem österreichischen Ableger der wohl bekanntesten christlichen Anti-Abtreibungs-Organisation Human Life International (HLI) auseinander, welche ebenfalls zu den Unterstützer*innen des Marschs zählen. Gegründet wurde HLI 1981 in den USA und setzt sich laut Homepage derzeit „in Einheit mit der katholischen Kirche“ in 80 Ländern für den „Schutz des menschlichen Lebens“ und als Verteidiger der „Rechte von Familie und Ehe“ ein. Damit kann HLI als eine der machtvollsten Pro-Life-Gruppen (1) gewertet werden.

HLI Österreich, teilweise auch unter dem Namen Ja zum Leben aktiv, wurde 1993 gegründet und stellt sich im Internet als harmlose Beratungs- und Anlaufstelle für „schwangere Frauen in Not“ dar. Auf der Homepage behauptet HLI „Schwangerenhilfe“ anzubieten u.a. über eine 24h Hotline und mittels Infos zu Schwangerschaft, Kindesentwicklung und Abtreibung. Schaut mensch sich aber die Seite ein bisschen genauer an, wird recht schnell klar, dass es sich bei HLI um einen Haufen von AbtreibungsgegnerInnen und christlichen Fundis (2) handelt. Gleich neben der scheinheiligen Behauptung, schwangeren Müttern in Not durch „reden und zuhören“ zu helfen, werden Schwangerschaftsabbrüche ganz unverblümt als „Kindestötung“ bezeichnet und als „brutal“ und „unmenschlich“ verurteilt. Auch wird die in Österreich 1973 in Kraft getretene Fristenlösung, die die Straffreiheit einer Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate gesetzlich festschreibt, als „Trauma“ bezeichnet. Bilder von blutüberströmten Zellhaufen und Embryos, die teilweise eher wie Kaulquappen ausschauen, sollen Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen oder bereits durchführen haben lassen, ein schlechtes Gewissen einreden bzw. von einem solchem abbringen. Das Selbstbestimmungsrecht einer Person ist hier überhaupt kein Thema, der Körper wird zum Objekt gemacht, über den bestimmt werden darf. Das ist Patriarchat pur!
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