Kategorie: Geschlechterbilder & Antifeminismus von Rechts

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der „Identitären Bewegung“

***Gastbeitrag***

Der dritte Teil unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts befasst sich mit politischem Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und der Identitären Bewegung (IB).
In rechtsextremen und/oder rechtspopulistischen Strömungen finden sich einige Ansätze, die sich auch in religiösen Gruppierungen finden, oft nur unter anderen Begrifflichkeiten. So geht es etwa auch im Rechtsextremismus um eine Sinngebung durch ein gemeinsames Ziel und eine Erlösung von den aktuellen Zuständen. Statt mit belegbaren Inhalten wird vielmehr über emotionalisierte Rituale gearbeitet (vgl. Prokop 2007: 177-184). Gerade in politischen Parteien und Bewegungen werden fundamentalistische Denkansätze dabei oft nicht direkt in jener deutlichen Verbissenheit und Kompromisslosigkeit geäußert wie in informelleren Gruppierungen. „Der Fundamentalismus im Europa des 21. Jahrhunderts äußert sich nicht in relevanten Bewegungen und Parteien, die geschlossene Botschaften, die militante Gewissheiten verbreiten. Der Fundamentalismus findet sich heute in Form von Versatzstücken in rechtspopulistischen Parteien, die sich des Vehikels nationaler, oft religiös verbrämter Vorurteile bedienen.“ (Pelinka, 2011: 134) Bei näherer Betrachtung finden sich aber auch in den Strukturen und Argumentationslinien rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien eindeutige fundamentalistische Züge. In der allgemeinen Strukturierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien und Bewegungen lassen sich Parallelen zu denen in fundamentalistischen Strömungen zeichnen. Neben der bereits erwähnten Konzentration auf Emotionalisierung und Ritualisierung, sind sie sich auch ähnlich in dem, wie Gemeinschaft erzeugt wird. Im religiösen wie im politischen Fundamentalismus ist die Konstruktion der eigenen Gemeinschaft und die Abgrenzung zu „den Anderen“ zentrales Element. Neben dem „Wir“, also all jenen, die der (teilweise konstruierten) Gemeinschaft zugerechnet werden, und „Nicht Wir“, also jenen, die außerhalb dieser stehen, wird auch meist noch ein „Die“ konstruiert, mit dem etwa Politik und Wissenschaft gemeint sind. Gerade bei parlamentarischen rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien wie etwa der FPÖ kann das „Wir“ noch differenziert werden in das eigentliche „Wir“ der Partei und ein „Nicht Die (Anderen)“, unter das jene angeblichen Durchschnittsbürger*innen fallen, an die sich die Partei wendet. (vgl. Ajanovic 2014: 251-252)

Neben den strukturellen Gemeinsamkeiten von religiösen und politisch fundamentalistischen Gruppierungen, zeigen sich auch in der konkreten Positionierung zu gesellschaftlichen Themen fundamentalistische Züge, wie ich im folgenden am Beispiel der Äußerungen zu den Themen Gender („Genderismus“, „Genderwahn“) und Feminismus durch die FPÖ und die IB zeigen möchte, die beide aktuell in der Öffentlichkeit präsente Akteur*innen der extremen Rechten in Österreich sind. Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der „Identitären Bewegung“”

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)

Dieser Text stellt den 2. Teil der Recherche zu in Österreich aktiven Mädelschaften im Rahmen unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts dar. Im ersten Teil wurden nach einer kurzen Einleitung, die Rechercheergebnisse der Wiener akademischen Mädelschaft Freya und der Wiener akademischen Mädelschaft Nike präsentiert. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit den folgenden Studentinnenverbindungen: Verein Grazer Hochschülerinnen, Pennale Mädelschaft Sigrid zu Wien und Akademische Mädelschaft Iduna zu Linz.

Verein Grazer Hochschülerinnen
Der Verein Grazer Hochschülerinnen gilt als die älteste Mädelschaft Österreichs, die Neuentstehung fand 1990 statt. Der Verein verfügt mit nur einer Facebook-Seite über weitaus weniger Internet-Präsenz als die meisten Mädelschaften. Ebenso findet sich auf der Facebook-Seite keinerlei Selbstbeschreibung oder -verständnis wie es bei vielen anderen Mädelschaften üblich ist, was den Verein Grazer Hochschülerinnen als gemäßigter erscheinen lässt. Der Verein äußert sich auf ihrer Facebook-Seite auch nahezu gar nicht zu gesellschaftspolitischen Themen, die meisten Postings handeln von Aktivitäten und Ausflügen, die die Mädelschaft während des Uni-Semesters veranstaltet, wie etwa Jul-Festen, Sonnwend-Feiern, Besuchen des Grazer Akademiker-Balls, Spendensammlungen sowie Kneipenabende bei anderen rechtsextremen Burschen- und Mädelschaften. So trifft sich der Verein etwa mit der B! Allemania in der Wartburg oder mit der ADV Barbara in Leoben. Nicht nur die Tatsache, dass sich der Verein Grazer Hochschülerinnen auf Veranstaltungen schlagender Burschenschaften bewegt und in einschlägig als rechtsextrem geltenden Lokalen feiert, sondern auch ihr Vereinssitz, die Leonhardstraße 27 deutet auf ihre deutschnationale Ausrichtung hin. An dieser Adresse befindet sich das Vereinshaus der Akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz, einer schlagenden Studentenverbindung. Im auch unter Gothiahaus bekannten Vereinshaus Gothia sind immer wieder Vorträge mit rechtsextremen Inhalten zu hören. Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)”

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 1)

Der erste Text unserer Recherche-Reihe zum Thema Geschlechterbilder & Antifeminismus von Rechts, befasst sich mit in Österreich aktiven Mädelschaften. Obwohl bereits viele Texte über im deutschsprachigen Raum aktive Burschenschaften verfasst wurden, ist die Literatur über Mädelschaften sehr überschaubar. Sehr gering ist das Wissen darüber, dass viele aktive Politikerinnen* Teil einer (sexistischen) deutschnationalen Mädelschaften sind. Judith Goetz, die bereits zu Mädelschaften in Österreich geforscht hat, geht davon aus, dass derzeit an österreichischen Hochschulen 30 Studentinnenverbindungen aktiv sind. Ebenso wie bei den Burschenschaften können Mädelschaften hinsichtlich ihrer ideologischen (1) Ausrichtung grob in zwei Lager aufgeteilt werden: die deutschnationalen und die christlich-konfessionellen Gruppen. Nach wie vor existiert bei den deutschnationalen Burschenschaften eine strikte Geschlechtertrennung, Frauen dürfen demnach, wie Judith Goetz schreibt, nur an ausgewählten Veranstaltungen teilnehmen und übernehmen „vermeintliche Frauenaufgaben wie die Organisation von Brauchtumsabenden und Sonnwendfeiern oder dienen bei Burschenschafter-Bällen als standesgemäße Tanzpartnerinnen.“ Weiters schreibt Goetz, dass deutschnationale Mädelschaften zwar ähnliche Bräuche wie die Burschenschafter pflegen und Feste feiern, ihnen aber bestimmte traditionelle Rituale untersagt sind, wie zum Beispiel das Fechten. Frauen ist der Zugang zu Burschenschaften noch immer verwehrt, alleine das ist schon Ausdruck dafür welch reaktionäres und sexistisches Weltbild sich hinter (deutschnationalen) Studenten- und Studentinnenverbindungen verbirgt. [1] Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 1)”

Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch. Continue reading “Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts”