Kategorie: Antifeminismus

One Solution: Feminism!

Auch wenn dieser Artikel [1] bereits vor eineinhalb Jahren in der Analyse&Kritik veröffentlicht wurde, liegt seine Aktualität auf der Hand: Bei den Nationalratswahlen wählte mehr als die Hälfte eine rechte bzw. rechtsextreme Regierung [2]. Für viele Linke liegt der Fokus des Kampfs gegen FPÖ und ÖVP im Bereich Antifa. Dass dies auch einen massiven antifeministischen Backlash bedeutet und LGBTIQ Menschen neben Geflüchteten zu den vom Rechtsruck am stärksten Betroffenen zählen, scheint ein Unterkapitel zu sein. Auch die Verbindung zwischen Geschlechterideologie und Rechtsextremismus hat ein großen Teil der antifaschistischen Szene bisher nur sehr am Rande in seine Überlegungen einbezogen. Wieso Antifeminismus nicht die notwendige Zentralität von Rassismus als Angriffspunkt gegen AfD, FPÖ und Co hat, damit haben sich Anna Berg und Tanya Zorn auseinandergesetzt:

One Solution: Feminism!

Diskussion: Im Kampf gegen die AfD müssen wir Antifaschismus und Feminismus gleichberechtigt zusammendenken

Von Anna Berg und Tanya Zorn

Volksfront gegen Rechts oder Klasse gegen Klasse – sowohl autonome als auch breite bürgerliche Bündnisse, Gruppen und Organisierungen vergessen eines im Kampf gegen die Alternative für Deutschland (AfD): die Zentralität nicht nur von Rassismus, sondern auch von Antifeminismus und wertkonservativer Mobilisierung. Das verhindert die Einbindung eines großen Potenzials von Feminist_innen in den antifaschistischen Kampf. Schuld ist das Patriarchat – und das sind wir alle. Continue reading “One Solution: Feminism!”

Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache

Judith Götz im Gespräch über die Bedeutung der völkisch nationalistischen Strömung und ihr Frauenbild

Von Nina Böckmann und Fabian Hillebrand erschienen in Neues Deutschland vom 16.6.2017

In ihren medienwirksamen Aktionen greifen die völkisch nationalistischen»Identitären« nicht selten geschlechterpolitische Themen auf. Sie versuchen dabei einerseits Frauenrechte zu instrumentalisieren, andererseits werfen sie »den Linken« vor, nicht nur mit »Multikulti« sondern auch mit der Pluralisierung von geschlechtlichen Identitäten »Gleichmacherei« zu betreiben. Die Wissenschaftlerin Judith Götz beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Frauen im Rechtsextremismus. Sie spricht von den »Identitären«, denn mit dem Begriff »Identitäre Bewegung« würden sich die Rechtsextremen nur größer machen wollen, als sie eigentlich sind. Mit ihr sprachen für »nd« Nina Böckmann und Fabian Hillebrand.

Die »Identitären« bezeichnen sich selbst als »Neue Rechte«. Bedienen sie tatsächlich ein anderes Frauenbild als die klassische Rechte?
Ich würde mit dem Begriff der »Neuen Rechten« vorsichtig umgehen. Es trifft zwar zu, dass die »Identitären« sich auf Theoretiker der sogenannten neuen Rechten beziehen. Sie beziehen sich aber genauso auf faschistische Theoretiker. Der Begriff der »Neuen Rechten« ist ein Stück weit eine euphemistische Selbstbezeichnung und Teil einer Normalisierungsstrategie. Die Bezeichnung wird genutzt, um sich als modernisierte und harmlosere Variante der Rechten darzustellen. Wenn man sich aber ihr Denken genauer ansieht, ihre Theoriebildung und ihre Ideologie untersucht, dann zeigt sich sehr deutlich, dass zahlreiche Elemente dem Rechtsextremismus und dem Neonazismus entnommen sind. Das spiegelt sich auch im Frauenbild wieder.

Inwiefern?
Das Geschlechterbild der »Identitären« ist sehr biologistisch. Es gibt bei Ihnen ausschließlich zwei Geschlechter, die komplementär und hierarchisch zueinander stehen. Das drückt sich in dem Credo »gleichwertig aber nicht gleichartig« aus. Die Vorstellung ist, dass Frauen und Männer von Natur oder von Kultur aus unterschiedlich seien und ihnen damit unterschiedliche Aufgaben in der Gesellschaft zufallen, die in ihrem Wesen begründet liegen.

Es gibt verschiedene Weiblichkeitskonzeptionen innerhalb der Gruppierung der Identitären. Da ist zum einen das Weiblichkeitskonzept der Mutter, die als Erhalterin des eigenen Volkes gesehen wird. Auch ihr Aufgabenbereich ist damit klar abgesteckt. Dann gibt es das Bild des sexualisierten Objektes. Hier geht es darum die Schönheit des eigenen Volks zu betonen. Das drückt sich in Parolen wie »zu schön für einen Schleier« aus. Solche Darstellungen der eigenen Aktivistinnen macht die Bewegung auch für Männer attraktiv. Dann gibt es noch das Bild der Gefährtin, die den Männern im Kampf gegen den großen Bevölkerungsaustausch, den sie imaginieren, als treue Begleiterin zur Seite steht. Continue reading “Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache”

Kirche und Konservatismus

Gender: Natalia Kolodziejska und Dervla O’Malley von Ciocia Basia über die Abtreibungsverbote in Polen und Irland – und die Bewegungen, sie abzuschaffen

Interview: Kornelia Kugler

Ciocia Basia ist eine Gruppe in Berlin, die informell Hilfe für Betroffene aus Ländern organisiert, in denen Schwangerschaftsabbruch illegal ist. Vor allem sind das Frauen, die in Polen leben und nach Berlin kommen, um einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Natalia Kolodziejska von Ciocia Basia und Dervla O’Malley, die außerdem bei Berlin-Ireland Pro Choice Solidarity aktiv ist, über ihre Arbeit bei Ciocia Basia, die repressiven Anti-Abtreibungsgesetze und die Protestbewegungen dagegen in Polen und Irland.

Wie ist aktuell die rechtliche Lage bezüglich Abtreibungen in Polen und Irland, und welche Notlagen entstehen daraus?

Natalia Kolodziejska: In Polen sind Abtreibungen seit Anfang der 1990er Jahre in den meisten Fällen illegal. Sie sind nur dann legal, wenn das Leben oder die Gesundheit der schwangeren Person gefährdet sind, wenn die Schwangerschaft aus einem kriminellen Akt resultiert, oder wenn der Fötus eine Behinderung oder schwere Krankheit hat. Aber auch in diesen Fällen ist es schwierig, eine Abtreibung zu bekommen. Die Propaganda der katholischen Kirche und der konservativen Parteien haben Abtreibungen so stigmatisiert, dass viele Ärztinnen und Ärzte Angst haben oder selbst meinen, dass Abtreibung Mord sei. Es gibt ganze Regionen, in denen es nicht möglich ist abzutreiben. Die Ärzte verzögern auch oft die Sache so, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht mehr möglich ist. Die geplante Gesetzesänderung, die Abtreibungen grundsätzlich verbieten sollte, ist wegen der großen Proteste letzten Herbst nicht durchgegangen. Aber es gibt immer wieder Vorstöße, die Gesetze doch noch zu verschärfen, und auch die »Pille danach« soll wieder verschreibungspflichtig werden. Der polnische Gesundheitsminister, Konstanty Radziwill, ist ein Arzt, sehr konservativ. Er hat gesagt, er würde die »Pille danach« auch bei Vergewaltigung nicht verschreiben.

Dervla O’Malley: In Irland ist Abtreibung komplett verboten, sowohl in Südirland – also der Republik Irland – als auch in Nordirland, obwohl Nordirland zum Vereinigten Königreich gehört. Auch nach Vergewaltigungen, auch wenn der Fötus überhaupt nicht überleben kann. Die einzige Ausnahme ist ein medizinischer Eingriff zur »Rettung des Lebens der Mutter«. Diese Möglichkeit gibt es seit 2014, allerdings sind Ärzte oft nicht sicher, wann sie diese Entscheidung treffen können, ohne selbst Strafverfolgung zu riskieren. Ein weiterer Unterschied zu Polen ist, dass in der Republik Irland die Personen, die Schwangeren bei Abtreibungen helfen, bestraft werden können – mit bis zu 14 Jahren Haft, in Nordirland sogar noch mehr. Die Abtreibungspille darf nicht in die Republik Irland geschickt werden, sie wird am Zoll oder von der Polizei konfisziert. In Nordirland ist das nicht so, aber am 8. März hat die Polizei dort eine Razzia bei Leuten gemacht, von denen sie annahm, dass sie Abtreibungspillen haben. Continue reading “Kirche und Konservatismus”

Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet

erschienen in Unique 11/16
Von Judith Goetz

Seit geraumer Zeit haben Männerrechtler dem Feminismus auch – oder besser gesagt vor allem – im Internet den Kampf angesagt. „Femokratie-Blog“, „MANNdat.de“, „Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ oder „WikiMANNia“ sind nur einige Beispiele jener deutschsprachigen Internetseiten und Blogs, auf denen seit geraumer Zeit gegen Feministinnen, Gleichstellungspolitiken und vermeintlichen Gender-Wahn gewettert wird.

Die wahren Ziele der Männerrechtler

Die antifeministische Männerrechtsbewegung entstand im deutschsprachigen Raum in den 1970ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts und verfolgt aktuell vor allem zwei Ziele: Einerseits wollen Anhänger dieser Gruppierungen auf die ‚eigentlichen‘ Benachteiligten in dieser Gesellschaft, nämlich Burschen und Männer, hinweisen und andererseits den Einfluss einer imaginierten feministischen Vorherrschaft zurückdrängen. So ist beispielsweise auf dem Blog „Wieviel Gleichberechtigung braucht das Land“ über „Das wahre Ziel des Feminismus“ zu lesen, dass in der „modernen westlichen Gesellschaft […] Feminismus Teil der herrschenden staatlichen (genau gesagt, überstaatlichen, grenzüberschreitenden, d. h. globalen) Ideologie“ sei und durch „Schule, Universitäten und Massenmedien aufgezwungen“1 werde. Die Protagonisten der Männerrechtsbewegung inszenieren sich dabei als Opfer nahezu jeder Lebenslage, vom Bildungs- und Gesundheitswesen über den Arbeitsmarkt oder Staatsdienst bis hin zum Scheidungsrecht. Eine besondere Rolle kommt dabei den Medien zu, die Burschen und Männern als die eigentlich Benachteiligten und Opfer dieser Gesellschaft keine Aufmerksamkeit zukommen lassen würden. So haben auch Männerrechtler begriffen, dass der Hinweis auf Benachteiligung sowie das Einfordern von Rechten ein potentiell sehr wirkungsmächtiger Diskurs ist, mit dem sich Aufsehen erregen lässt. In diesem Opferdiskurs arbeiten Männerrechtler nicht selten mit vermeintlichen Tabubrüchen und Diskursen, die sich gegen politische Korrektheit (PC) richten und versuchen, dadurch Aufmerksamkeit zu erhaschen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich bei den meisten inszenierten Tabubrüchen in der Regel gar nicht um solche handelt, da gerade Sexismus, Rassismus oder Homophobie in dieser Gesellschaft keine Tabus im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr tief und fest in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. So wird beispielsweise auch versucht, fortschrittliche Forderungen und Errungenschaften für Frauen als vermeintlich ‚politisch korrekten‘ Schwachsinn abzutun und gleichzeitig frauenfeindliches Gedankengut zu normalisieren. Continue reading “Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet”

Aufruf zu Beiträgen zum Thema ANTIFEMINISMUS/Call for Contribution

Liebe alle

wie ihr wahrscheinlich alle wisst, wurde vor ein paar Wochen der neue (queer-)feministische Blog namens FIDA – feministische Informations- und Dokumentationsarbeit ins Leben gerufen. Da aller Voraussicht nach im Juni, zeitgleich mit der Regenbogenparade, wieder der alljährliche klerikalfaschistische und antifeministische „Marsch für die Familie“ in Wien stattfinden wird, sollen in den nächsten Wochen schwerpunktmäßig Texte zum Thema Antifeminismus auf dem FIDA-Blog veröffentlicht werden. Da wir finden, dass den wieder stärker im kommenden antifeministischen, LGBTIQ-feindlichen sowie misogynen Positionen entschieden entgegengesetzt werden muss, würden wir uns über jegliche Texte, die sich kritisch mit antifeministischen Strömungen, Positionen oder Gruppen auseinandersetzen, freuen. Da es sich bei FIDA um einen online Blog und kein wissenschaftliches oder elitäres Projekt handelt, stellen wir einen solchen Anspruch auch nicht an die Texte, die veröffentlicht werden. Ebenso werden alle Texte anonym auf dem Blog veröffentlicht. Falls ihr noch mehr über FIDA erfahren wollt, besucht doch ganz einfach unseren Blog, unter dem Punkt Selbstverständnis findet ihr auch noch mehr Infos zu den Postionen und Schwerpunkten von FIDA. Eingereicht werden können Texte per E-Mail an fida@riseup.net

Let‘s start writing FEMINISM

FIDA