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Recherchebericht zum “Marsch fürs Leben” 2019

Am 12. Oktober 2019 wurde am frühen Nachmittag am Wiener Stephansplatz der alljährlich stattfindende christlich-fundamentalistische „Marsch fürs Leben“ abgehalten. Vor dem eigentlichen Demonstrationszug hielt Weihbischof Stephan Turnovszky unter dem Titel „Heilige Messe für das ungeborene Leben“ im Stephansdom eine katholische Messe ab. Anders als noch vor zwei Jahren (fida berichtete) konnten die Abtreibungsgegner*innen dieses Jahr mit 1600 Teilnehmer*innen schon zum zweiten Mal in Folge deutlich mehr Menschen für ihre sexistischen Forderungen auf die Straße bringen. Neben der verstärkten Mobilisierung zu ihren Märschen waren die Abtreibungsgegner*innen auch medial stärker präsent. Schwangerschaftsabbrüche, insbesondere Spätabbrüche, mutierten zwischen Winter 2018 bis Frühjahr 2019 zum Dauerthema in der österreichischen Medienlandschaft, wofür zum einen die Bürgerinitiative #fairändern (fida berichtete), die sich für eine Verschärfung der derzeit in Österreich herrschenden Fristenregelung einsetzt, verantwortlich war. Zum anderen dürfte die im Mai 2019 abgewählte rechtskonservative und rechtsextreme schwarz-blaue Regierung, die in ihrem Regierungsplan ebenso eine Verschärfung der derzeitigen rechtlichen Lage von Schwangerschaftsabbrüchen plante, einen zusätzlichen Nährboden für Debatten über die Legitimität von Schwangerschaftsabbrüchen geschaffen haben.

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Feministisch vernetzt!

Wir wollen einen Beitrag der genderfrequenz vom Radio Helsinki mit euch teilen:

Welche Möglichkeiten gibt es, um sich feministisch (online) zu vernetzen?

Die genderfrequenz geht in ihrer neuen Ausgabe dieser Frage nach und stellt euch drei feministische Blogprojekte vor:

Vernetzung für junge Wissenschaftler*innen der Frauen- und Geschlechtergeschichte will der Verein fernetzt– mit „F“ wie „Feminismus – erreichen. 2011 wurde die Organisation von Masterstudierenden und Dissertant*innen an der Universität Wien gegründet. Seit 2015 betreibt „fernetzt“ einen Blog, um die Sichtbarkeit und Vernetzung der Frauen- und Geschlechtergeschichte zu erhöhen. Wir haben mit fernetzt-Redaktionsmitglied Elisabeth Berger über „fernetzt“ und darüber gesprochen, ob bzw. wie es dadurch möglich ist, patriarchale Strukturen aufzubrechen.

Außerdem hört ihr in Statements vom feministische Blog fida mit Schwerpunkt auf Recherche zu Rechtsextremismus und Antifeminismus und der Online-Informationsplattform EMRAWI(emanzipatorisch, radikal und widerständig), warum feministische Vernetzung für sie wichtig ist.

Auch in der Vokabelminute wird eine Form der feministischen Organisierung aufgegriffen: Fantifa. (Quelle und Buchtipp dazu: „Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik“, hg. vom Herausgeber*innenkollektiv, erschienen 2013 bei edition assemblage.)

Und Kaya wird euch in ihrer Kolumne wieder eine neue Geschichte erzählen.

Dazu gibt es wieder eine super Musikauswahl – also hört rein, vernetzt euch mit uns.

Hier gehts zur Sendung: https://cba.fro.at/427550

Recherche zu gloria.tv

Der folgende Rechercheartikel beschäftigt sich mit der katholisch-fundamentalistischen Internetplattform gloria.tv. Ein paar Beispiele sollen nun dazu dienen zu veranschaulichen, dass es sich im Denken der verantwortlichen Personen rund um gloria.tv um eine rechtsextreme, erz-konservative und menschenverachtende Ideologie handelt.

2013 kam es aufgrund des Verdachtes von nationalsozialistischer Wiederbetätigung sowie Verhetzung von Seiten der fundamentalistisch-rechtsextremen Website kreuz.net (bzw. mittlerweile kreuz-net.at, hauptverantwortlich dafür ist Arnold von Grünstein) und gloria.tv zu Hausdurchsuchungen in Wien und Grieskirchen (Oberösterreich) [1]. Konkret wurden dabei zwei Wohnungen von Priestern durchsucht, ebenso wie das inoffizielle Büro von gloria.tv in der Großen Sperlgasse, wo sich auch der Sitz von Human Life International befindet. Die Verdächtigen kamen mit Strafanzeigen davon.

Erst im September 2018 brachte der ehemalige Grünen-Abgeordnete Karl Öllinger eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft ein, bei der geprüft werden soll, inwiefern die Aktivitäten von gloria.tv unter den Verhetzungsparagrafen fallen und außerdem, wie weit Verbindungen zwischen gloria.tv und kreuz.net bestehen [3]. Ausschlaggebend dafür war anscheinend ein Video von gloria.tv, in welchem sexualisierter Missbrauch und Gewalt an Kindern und Jugendlichen innerhalb der katholischen Kirche komplett bagatellisiert werden und weiters die Schuld in der vermeintlichen Homosexualität der Täter ihren Ursprung findet [3].

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Call for Contibution: Ein Jahr schwarz-blau aus feministischer Perspektive

Liebe Feminist_innen,

es ist wieder einmal so weit: Wir rufen euch auf, zum Schreibwerkzeug eurer Wahl zu greifen und eure Gedanken auf “Papier” zu bringen! Im Dezember 2017 wurde die schwarz-blaue Regierung angelobt. Vieles hat sich im vergangenen Jahr verändert, an vieles haben wir uns bereits gewöhnt. Zur Erinnerung: Der 12-Stunden-Tag wurde eingeführt, der Sozialabbau ist in vollem Gange, feministischen Projekten wurden Gelder gestrichen, während Burschenschaften Förderungen erhielten. Was bedeutet diese Regierung für feministische Arbeit? Welche Kritik lässt sich aus feministischer Perspektive formulieren? Und wie können wir als Feminist_innen dagegen ankämpfen?
Da es sich bei FIDA um einen online Blog und kein wissenschaftliches oder elitäres Projekt handelt, stellen wir einen solchen Anspruch auch nicht an die Texte, die veröffentlicht werden. Ebenso werden alle Texte anonym auf dem Blog veröffentlicht. Falls ihr noch mehr über FIDA erfahren wollt, besucht doch ganz einfach unseren Blog unter fida-blog.info, unter dem Punkt Selbstverständnis findet ihr auch noch mehr Infos zu den Postionen und Schwerpunkten von FIDA. Eingereicht werden können Texte per E-Mail an fida@riseup.net.

Let‘s start writing FEMINISM

Pro Life – Abtreibungsgegner auf dem Vormarsch

Hiermit möchten wir euch auf den Dokumentarfilm “Pro Life – Abtreibungsgegner auf dem Vormarsch” von Alexandra Jousset und Andrea Rawlins-Gaston aufmerksam machen, der sich mit dem Thema der in den letzten Jahren in ganz Europa erstarkenden “Pro-Life-Bewegung” auseinandersetzt. Dabei lässt die Doku einerseits Betroffene zu Wort kommen, die von ihrem harten Weg zu einer legalen Abteibung berichten und zeigt andererseits auf, zu welch wahnwitzigen und übergriffigen Maßnahmen Abtreibungsgegner*innen mittlerweile greifen, um ihre Propaganda zu verbreiten. Ebenso versuchen die Regisseur*innen in ihrer Doku die internationale Vernetzung der christlich-fundamentalistischen “Lebenschützer” sichtbar zu machen, die bereits auf instituationeller Ebene maßgeblichen Einfluss erlangt haben.

Die Doku ist noch bis zum 04.05.2018 unter folgendem Link zum Streamen verfügbar Pro Life – Abtreibungsgegner auf dem Vormarsch

Protestaktion gegen den Pro-Life-Kongress der Jugend für das Leben in Linz

Vom 23.-25.02.2018 veranstaltete die christliche-fundamentalistische Jugend für das Leben (Recherche zur Jugend für das Leben) einen “Pro-Life-Kongress” in der linzer Lissagasse 4. Die radikalen Abtreibungsgegner*innen, die Schwangerschaftsabbrüche duchwegs als Morde bezeichnen, riefen auf ihrer Webseite zur Beteiligung am Kongress auf, um neue Aktionen zu planen. Ziel der Jugend für das Leben ist es eine “Pro-Life-Kultur” aufzubauen “in der sich Abtreibungen erübrigt haben”, im Klartext bedeutet das, schwangeren Person die Möglichkeit auf einen Abbruch zu erschweren oder gar zu verweigern.

Die Kampagne Nicht mit mir der Sozialistische LinksPartei (SLP) rief am 23.02. zur Gegenaktion mit dem Titel “Pussy Riot” auf. Zahlreiche Aktivist*innen gingen gegen den Kongress der Jugend für das Leben in Linz auf die Straße.

Rechte Frauen für Frauenrechte?

Eine abgeänderte Form dieses Artikels ist auch in der Printausgabe der 82. Ausgabe der Zeitschrift MALMOE erschienen.

Drei Frauen aus der neuen schwarz-blauen Regierung im Porträt

In diesem Artikel sollen drei Frauen aus der aktuellen österreichischen Regierung vorgestellt werden.
Es soll gezeigt werden, was deren vergangene sowie gegenwärtige Tätigkeiten u.a. für feministische Errungenschaften und Kämpfe bedeuten (können) und inwiefern diese zur Normalisierung des Rechtsextremismus in der österreichischen Gesellschaft beitragen (können).

Kurzer Rückblick: Bereits von 2000 bis 2005 kam es zu massiven sozialpolitischen Kürzungen durch die erstmalige Koalition von ÖVP und FPÖ. Dazu gehörten auch Angriffe auf frauen*politische Angelegenheiten, wie die Abschaffung des Frauenministeriums und Unterordnung dessen in das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen unter Herbert Haupt, dem ersten und bisher letzten männlichen Frauenminister. Durch die Pensionsreform im Jahr 2003 kam es u.a. zu einer Erweiterung des Durchrechnungszeitsraums von 15 auf 45 Jahre, was massive Pensionseinbußen für Personen, die Erziehungsarbeit leisten, bedeutet (in den meisten Fällen Frauen*), da Erziehungszeiten nur unzureichend an die Pension angerechnet werden. Auch mit der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes im Jahr 2000 setzte die Regierung weiterhin auf eine individualisierte, traditionalistische Form der Familienförderung, um damit die Karenz möglichst in die Länge zu ziehen, anstatt Dienstleistungen, wie etwa Kinderbetreuungsstätten oder Ganztagsschulen auszubauen.

Bereits die damalige schwarz-blaue Regierung bezog Frauen plakativ als Ministerinnen in vermeintlich „männlichen“ Bereichen wie Verkehr und Außenpolitik ein. Dies geschah nicht aus einem emanzipatorischen Interesse heraus, sondern um durch diese Inszenierung vorab jegliche Kritik an einer „frauenfeindlichen“ Politik zu delegitimieren.
Diese Strategie lässt sich auch aktuell beobachten, wenn beispielsweise Bundeskanzler Kurz damit prahlt, dass in seinem Team „50 Prozent Frauen und zwei Drittel Experten“ zu finden seien. Im folgenden zeigen wir auf, wie konservative Frauen in der Regierung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft den stärker werdenden antifeministischen Diskurs befeuern konnten und können. Continue reading “Rechte Frauen für Frauenrechte?”

Aufruf zu Beiträgen zum Thema “schwarz-blau”/Call for Contribution

In den letzten Wochen haben wir intensiv zu Frauen* der schwarz-blauen Regierung recherchiert und die Ergebnisse in einen Artikel verpackt, der in der nächsten Malmoe erscheinen wird. Da Antifeminismus unter schwarz-blau erstarkt und wir dieses Thema verstärkt in den Fokus rücken wollen, seit nun ihr gefragt! Was gibt es zu berichten, über schwarz-blau aus feministischer Perspektive? Welche Parallelen können zur letzten ÖVP-FPÖ-Regierung von 2000-2005 gezogen werden? Schon damals kam es zu massiven sozialpolitischen Kürzungen.
Da es sich bei FIDA um einen online Blog und kein wissenschaftliches oder elitäres Projekt handelt, stellen wir einen solchen Anspruch auch nicht an die Texte, die veröffentlicht werden. Ebenso werden alle Texte anonym auf dem Blog veröffentlicht. Falls ihr noch mehr über FIDA erfahren wollt, besucht doch ganz einfach unseren Blog unter fida-blog.info, unter dem Punkt Selbstverständnis findet ihr auch noch mehr Infos zu den Postionen und Schwerpunkten von FIDA. Eingereicht werden können Texte per E-Mail an fida@riseup.net.
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Wenn »Selbstbestimmung« nicht mehr weiterhilft

Aus gegebenen Anlass wird hier ein Artikel von Kirsten Achtelik geteilt, erstmals erschienen in der ak Nr. 916, der sich kritisch mit der Pränataldiagnostik sowie Abtreibung und Dis*ability auseinandersetzt. In den letzten Wochen marschierten Abtreibungsgegner*innen im Zuge der “Märsche fürs Leben” durch mehrere Städten Österreichs und hetzten gegen das Recht auf Abtreibung. Organisiert wurden diese vom Verein Jugend für das Leben (Recherche zu Jugend für das Leben), die auch immer wieder Menschen mit Behinderung dafür instrumentalisiert, eigenen Anliegen durchzusetzen und den Zugang zu Schwangerschaftabbrüchen zu erschweren.

Wenn »Selbstbestimmung« nicht mehr weiterhilft

Feministische Slogans sind keine Wunderwaffe gegen die Methoden der Pränataldiagnostik

Von Kirsten Achtelik

Am 17. September war es wieder soweit: Der »Marsch für das Leben« zog durch Berlin. Mehrere Tausend »Lebensschützer« demonstrierten mit einem Schweigemarsch gegen Abtreibung. Die Proteste gegen diese Märsche erfreuen sich in linken und (queer)feministischen Kreisen zunehmender Beliebtheit. Den radikalen Abtreibungsgegner_innen hauptsächlich mit der Parole des »Rechts auf Selbstbestimmung« begegnen zu wollen, ist jedoch eine problematische Strategie.

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