Reaktionäre antifeministische Podiumsdiskussion an der TU Wien!

Aufruf von der Plattform Feminismus gegen die reaktionäre, antifeministische Podiumsdiskussion an der TU Wien:

Am Freitag, den 10.11.2017 soll ab 18 Uhr im Kuppelsaal der TU Wien eine Podiumsdiskussion mit dem Titel “GENDER–DEBATTEN: Worum geht es?” stattfinden. Diese wird organisiert von der Katholischen Hochschulgemeinde.
Teilnehmer*innen dieser Podiusmsdiskussion sind u.a. die christlich-konservative Publizistin Gabriele Kuby sowie der Facharzt für Psychatrie und Neurologie Dr. Raphael Bonelli. Die Moderation übernimmt die ÖVP-Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Gudrun Kugler.

Letztere ist auch Initatorin von der katholischen Heiratsplattform “kathtreff.org” und betätigt sich stark in der sogenannten “Lebensrechtsbewegung”.
Bei diesen finden sich vehemente Abtreibungsgegner*innen, welche sich auch gegen Sterbehilfe stellen. Auch werden heteronormative Rollenbilder in der Rückbesinnung auf “christliche Tugenden und Werte” verbreitet.
In einer Rede im Wiener Gemeinderat vom 26. Juni 2017 betont Gudrun Kugler ihre reaktionäre Position, indem sie “jede Abtreibung als eine zuviel” beschreibt. Auch will Kugler, dass Wiener Standesbeamte die Begründung eingetragener, gleichgeschlechtlicher Partnerschaften “mit Verweis auf ihren christlichen Glaube ablehnen dürfen.” In der Zeitschrift “Couleur”, die vom christlich-konservativen Mittelschüler-Kartell-Verband herausgegeben wird, meint Gudrun Kugler, dass die gleichgeschlechtliche Ehe zu einer “Ehe unter Geschwistern” führt. Continue reading “Reaktionäre antifeministische Podiumsdiskussion an der TU Wien!”

One Solution: Feminism!

Auch wenn dieser Artikel [1] bereits vor eineinhalb Jahren in der Analyse&Kritik veröffentlicht wurde, liegt seine Aktualität auf der Hand: Bei den Nationalratswahlen wählte mehr als die Hälfte eine rechte bzw. rechtsextreme Regierung [2]. Für viele Linke liegt der Fokus des Kampfs gegen FPÖ und ÖVP im Bereich Antifa. Dass dies auch einen massiven antifeministischen Backlash bedeutet und LGBTIQ Menschen neben Geflüchteten zu den vom Rechtsruck am stärksten Betroffenen zählen, scheint ein Unterkapitel zu sein. Auch die Verbindung zwischen Geschlechterideologie und Rechtsextremismus hat ein großen Teil der antifaschistischen Szene bisher nur sehr am Rande in seine Überlegungen einbezogen. Wieso Antifeminismus nicht die notwendige Zentralität von Rassismus als Angriffspunkt gegen AfD, FPÖ und Co hat, damit haben sich Anna Berg und Tanya Zorn auseinandergesetzt:

One Solution: Feminism!

Diskussion: Im Kampf gegen die AfD müssen wir Antifaschismus und Feminismus gleichberechtigt zusammendenken

Von Anna Berg und Tanya Zorn

Volksfront gegen Rechts oder Klasse gegen Klasse – sowohl autonome als auch breite bürgerliche Bündnisse, Gruppen und Organisierungen vergessen eines im Kampf gegen die Alternative für Deutschland (AfD): die Zentralität nicht nur von Rassismus, sondern auch von Antifeminismus und wertkonservativer Mobilisierung. Das verhindert die Einbindung eines großen Potenzials von Feminist_innen in den antifaschistischen Kampf. Schuld ist das Patriarchat – und das sind wir alle. Continue reading “One Solution: Feminism!”

FR, 27. 10. 2017: „MARSCH FÜRS LEBEN“ ZUR HÖLLE MACHEN!

Aufruf vom Infoladen Salzburg

Den fundamentalistischen ChristInnen um HLI und Jugend für das Leben reicht es nicht, jeden Sommer ihren sogenannten “1.000 Kreuze Marsch” in Salzburg abzuhalten. Letzten Dezember haben sie auch noch ihre alljährliche „Lichterkette“ zu einem „Marsch fürs Leben“ umgewandelt – und dieses Jahr können sie es gar nicht mehr erwarten und haben den Termin auf Freitag, 27. Oktober vorverlegt.

Sie haben vor, durch die Salzburger Altstadt zum Landeskrankenhaus zu schleichen und dabei wieder gegen die Selbstbestimmung von Frauen* und Menschen, die schwanger werden können, zu beten. Die Fristenlösung in Österreich und ähnliche gesetzliche Regelungen überall sonst, die Schwangerschaftsabbrüche zumindest teilweise straffrei stellen, sind kontinuierlichen Angriffen ausgesetzt. Diesen gilt es sich nach wie vor entgegenzustellen.

Kommt zur Kundgebung am Freitag, 27. Oktober ab 16 Uhr vorm Landeskrankenhaus oder macht den Fundis sonstwie die Hölle heiß!
Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafgesetzbuch!
Für freien und kostenlosen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen!
Nieder mit dem Patriarchat! Pro Choice is ois!

Aufruf zu Beiträgen rund ums Thema MÄNNERRECHTLER/Call for Contribution

Hallo ihr Lieben,

es gibt wieder mal einen neuen Themenschwerpunkt am FIDA-Blog! Über den Sommer haben wir einerseits Textbeiträge zum Thema “Arbeit” aus (queer-)feministischer Perspektive empfangen und andererseits zu “Geschlechterbilder & Antifeminismus von rechts” recherchiert und unsere Ergebnisse veröffentlicht.
Da am 25.11.2017 wieder ein von “Jugend für das Leben Österreich” organisierter “Marsch fürs Leben” in Wien stattfinden wird, werden wir unsere Recherche in den nächsten Wochen darauf fokusieren und sammeln die nächsten 3 Monate Texte zu Männerrechtlern, Maskulisten, Väterrechtlern, “Meninisten” und anderen Antifeministen und Abtreibungsgegner*innen. Wir freuen uns über jegliche Texte, die sich kritisch mit der Thematik auseinandersetzen!
Da es sich bei FIDA um einen online Blog und kein wissenschaftliches oder elitäres Projekt handelt, stellen wir einen solchen Anspruch auch nicht an die Texte, die veröffentlicht werden. Ebenso werden alle Texte anonym auf dem Blog veröffentlicht. Falls ihr noch mehr über FIDA erfahren wollt, besucht doch ganz einfach unseren Blog unter fida-blog.info, unter dem Punkt Selbstverständnis findet ihr auch noch mehr Infos zu den Postionen und Schwerpunkten von FIDA. Eingereicht werden können Texte per E-Mail an fida@riseup.net.

Let‘s start writing FEMINISM

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der „Identitären Bewegung“

***Gastbeitrag***

Der dritte Teil unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts befasst sich mit politischem Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und der Identitären Bewegung (IB).
In rechtsextremen und/oder rechtspopulistischen Strömungen finden sich einige Ansätze, die sich auch in religiösen Gruppierungen finden, oft nur unter anderen Begrifflichkeiten. So geht es etwa auch im Rechtsextremismus um eine Sinngebung durch ein gemeinsames Ziel und eine Erlösung von den aktuellen Zuständen. Statt mit belegbaren Inhalten wird vielmehr über emotionalisierte Rituale gearbeitet (vgl. Prokop 2007: 177-184). Gerade in politischen Parteien und Bewegungen werden fundamentalistische Denkansätze dabei oft nicht direkt in jener deutlichen Verbissenheit und Kompromisslosigkeit geäußert wie in informelleren Gruppierungen. „Der Fundamentalismus im Europa des 21. Jahrhunderts äußert sich nicht in relevanten Bewegungen und Parteien, die geschlossene Botschaften, die militante Gewissheiten verbreiten. Der Fundamentalismus findet sich heute in Form von Versatzstücken in rechtspopulistischen Parteien, die sich des Vehikels nationaler, oft religiös verbrämter Vorurteile bedienen.“ (Pelinka, 2011: 134) Bei näherer Betrachtung finden sich aber auch in den Strukturen und Argumentationslinien rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien eindeutige fundamentalistische Züge. In der allgemeinen Strukturierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien und Bewegungen lassen sich Parallelen zu denen in fundamentalistischen Strömungen zeichnen. Neben der bereits erwähnten Konzentration auf Emotionalisierung und Ritualisierung, sind sie sich auch ähnlich in dem, wie Gemeinschaft erzeugt wird. Im religiösen wie im politischen Fundamentalismus ist die Konstruktion der eigenen Gemeinschaft und die Abgrenzung zu „den Anderen“ zentrales Element. Neben dem „Wir“, also all jenen, die der (teilweise konstruierten) Gemeinschaft zugerechnet werden, und „Nicht Wir“, also jenen, die außerhalb dieser stehen, wird auch meist noch ein „Die“ konstruiert, mit dem etwa Politik und Wissenschaft gemeint sind. Gerade bei parlamentarischen rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien wie etwa der FPÖ kann das „Wir“ noch differenziert werden in das eigentliche „Wir“ der Partei und ein „Nicht Die (Anderen)“, unter das jene angeblichen Durchschnittsbürger*innen fallen, an die sich die Partei wendet. (vgl. Ajanovic 2014: 251-252)

Neben den strukturellen Gemeinsamkeiten von religiösen und politisch fundamentalistischen Gruppierungen, zeigen sich auch in der konkreten Positionierung zu gesellschaftlichen Themen fundamentalistische Züge, wie ich im folgenden am Beispiel der Äußerungen zu den Themen Gender („Genderismus“, „Genderwahn“) und Feminismus durch die FPÖ und die IB zeigen möchte, die beide aktuell in der Öffentlichkeit präsente Akteur*innen der extremen Rechten in Österreich sind. Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Politischer Fundamentalismus in Österreich am Beispiel der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ und der „Identitären Bewegung“”

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)

Dieser Text stellt den 2. Teil der Recherche zu in Österreich aktiven Mädelschaften im Rahmen unserer Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts dar. Im ersten Teil wurden nach einer kurzen Einleitung, die Rechercheergebnisse der Wiener akademischen Mädelschaft Freya und der Wiener akademischen Mädelschaft Nike präsentiert. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit den folgenden Studentinnenverbindungen: Verein Grazer Hochschülerinnen, Pennale Mädelschaft Sigrid zu Wien und Akademische Mädelschaft Iduna zu Linz.

Verein Grazer Hochschülerinnen
Der Verein Grazer Hochschülerinnen gilt als die älteste Mädelschaft Österreichs, die Neuentstehung fand 1990 statt. Der Verein verfügt mit nur einer Facebook-Seite über weitaus weniger Internet-Präsenz als die meisten Mädelschaften. Ebenso findet sich auf der Facebook-Seite keinerlei Selbstbeschreibung oder -verständnis wie es bei vielen anderen Mädelschaften üblich ist, was den Verein Grazer Hochschülerinnen als gemäßigter erscheinen lässt. Der Verein äußert sich auf ihrer Facebook-Seite auch nahezu gar nicht zu gesellschaftspolitischen Themen, die meisten Postings handeln von Aktivitäten und Ausflügen, die die Mädelschaft während des Uni-Semesters veranstaltet, wie etwa Jul-Festen, Sonnwend-Feiern, Besuchen des Grazer Akademiker-Balls, Spendensammlungen sowie Kneipenabende bei anderen rechtsextremen Burschen- und Mädelschaften. So trifft sich der Verein etwa mit der B! Allemania in der Wartburg oder mit der ADV Barbara in Leoben. Nicht nur die Tatsache, dass sich der Verein Grazer Hochschülerinnen auf Veranstaltungen schlagender Burschenschaften bewegt und in einschlägig als rechtsextrem geltenden Lokalen feiert, sondern auch ihr Vereinssitz, die Leonhardstraße 27 deutet auf ihre deutschnationale Ausrichtung hin. An dieser Adresse befindet sich das Vereinshaus der Akademischen Sängerschaft Gothia zu Graz, einer schlagenden Studentenverbindung. Im auch unter Gothiahaus bekannten Vereinshaus Gothia sind immer wieder Vorträge mit rechtsextremen Inhalten zu hören. Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 2)”

Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 1)

Der erste Text unserer Recherche-Reihe zum Thema Geschlechterbilder & Antifeminismus von Rechts, befasst sich mit in Österreich aktiven Mädelschaften. Obwohl bereits viele Texte über im deutschsprachigen Raum aktive Burschenschaften verfasst wurden, ist die Literatur über Mädelschaften sehr überschaubar. Sehr gering ist das Wissen darüber, dass viele aktive Politikerinnen* Teil einer (sexistischen) deutschnationalen Mädelschaften sind. Judith Goetz, die bereits zu Mädelschaften in Österreich geforscht hat, geht davon aus, dass derzeit an österreichischen Hochschulen 30 Studentinnenverbindungen aktiv sind. Ebenso wie bei den Burschenschaften können Mädelschaften hinsichtlich ihrer ideologischen (1) Ausrichtung grob in zwei Lager aufgeteilt werden: die deutschnationalen und die christlich-konfessionellen Gruppen. Nach wie vor existiert bei den deutschnationalen Burschenschaften eine strikte Geschlechtertrennung, Frauen dürfen demnach, wie Judith Goetz schreibt, nur an ausgewählten Veranstaltungen teilnehmen und übernehmen „vermeintliche Frauenaufgaben wie die Organisation von Brauchtumsabenden und Sonnwendfeiern oder dienen bei Burschenschafter-Bällen als standesgemäße Tanzpartnerinnen.“ Weiters schreibt Goetz, dass deutschnationale Mädelschaften zwar ähnliche Bräuche wie die Burschenschafter pflegen und Feste feiern, ihnen aber bestimmte traditionelle Rituale untersagt sind, wie zum Beispiel das Fechten. Frauen ist der Zugang zu Burschenschaften noch immer verwehrt, alleine das ist schon Ausdruck dafür welch reaktionäres und sexistisches Weltbild sich hinter (deutschnationalen) Studenten- und Studentinnenverbindungen verbirgt. [1] Continue reading “Recherchereihe zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts: Mädelschaften (Teil 1)”

Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch. Continue reading “Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts”

Was bedeutet Arbeit?

***Gastbeitrag***

Arbeit ist zentral in einer Gesellschaft, die sich über Arbeit definiert. Die meisten Menschen verbringen den Großteil ihres Tages bei der Lohnarbeit. Welcher Lohnarbeit ich nachgehe kann etwas über meine Interessen, Ideale und Werte aussagen. Arbeiten heißt ja schließlich die Welt, wie sie mir begegnet be-arbeiten, verändern, in eine Richtung bewegen – oder in eine andere.

Das Wort „Arbeit“ stammt aus dem Althochdeutschen arabeit und bedeutete soviel wie „Mühsal“, „Not“ oder „Bedrängnis“[1]. Vielleicht trägt der Begriff bis heute eine negative Konnotation mit sich, aber spannend wird‘s, wenn wir dessen produktive Dimension miteinbeziehen.

Weil Arbeit eine zentrale Stellung in unserer Kultur einnimmt, stellt sie in Vergangenheit und Gegenwart auch einen Austragungsort verschiedener politischer Kämpfe dar, z.B. im gewerkschaftlichen Arbeitskampf, im Marxismus oder im feministischen Materialismus. Continue reading “Was bedeutet Arbeit?”

Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache

Judith Götz im Gespräch über die Bedeutung der völkisch nationalistischen Strömung und ihr Frauenbild

Von Nina Böckmann und Fabian Hillebrand erschienen in Neues Deutschland vom 16.6.2017

In ihren medienwirksamen Aktionen greifen die völkisch nationalistischen»Identitären« nicht selten geschlechterpolitische Themen auf. Sie versuchen dabei einerseits Frauenrechte zu instrumentalisieren, andererseits werfen sie »den Linken« vor, nicht nur mit »Multikulti« sondern auch mit der Pluralisierung von geschlechtlichen Identitäten »Gleichmacherei« zu betreiben. Die Wissenschaftlerin Judith Götz beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Frauen im Rechtsextremismus. Sie spricht von den »Identitären«, denn mit dem Begriff »Identitäre Bewegung« würden sich die Rechtsextremen nur größer machen wollen, als sie eigentlich sind. Mit ihr sprachen für »nd« Nina Böckmann und Fabian Hillebrand.

Die »Identitären« bezeichnen sich selbst als »Neue Rechte«. Bedienen sie tatsächlich ein anderes Frauenbild als die klassische Rechte?
Ich würde mit dem Begriff der »Neuen Rechten« vorsichtig umgehen. Es trifft zwar zu, dass die »Identitären« sich auf Theoretiker der sogenannten neuen Rechten beziehen. Sie beziehen sich aber genauso auf faschistische Theoretiker. Der Begriff der »Neuen Rechten« ist ein Stück weit eine euphemistische Selbstbezeichnung und Teil einer Normalisierungsstrategie. Die Bezeichnung wird genutzt, um sich als modernisierte und harmlosere Variante der Rechten darzustellen. Wenn man sich aber ihr Denken genauer ansieht, ihre Theoriebildung und ihre Ideologie untersucht, dann zeigt sich sehr deutlich, dass zahlreiche Elemente dem Rechtsextremismus und dem Neonazismus entnommen sind. Das spiegelt sich auch im Frauenbild wieder.

Inwiefern?
Das Geschlechterbild der »Identitären« ist sehr biologistisch. Es gibt bei Ihnen ausschließlich zwei Geschlechter, die komplementär und hierarchisch zueinander stehen. Das drückt sich in dem Credo »gleichwertig aber nicht gleichartig« aus. Die Vorstellung ist, dass Frauen und Männer von Natur oder von Kultur aus unterschiedlich seien und ihnen damit unterschiedliche Aufgaben in der Gesellschaft zufallen, die in ihrem Wesen begründet liegen.

Es gibt verschiedene Weiblichkeitskonzeptionen innerhalb der Gruppierung der Identitären. Da ist zum einen das Weiblichkeitskonzept der Mutter, die als Erhalterin des eigenen Volkes gesehen wird. Auch ihr Aufgabenbereich ist damit klar abgesteckt. Dann gibt es das Bild des sexualisierten Objektes. Hier geht es darum die Schönheit des eigenen Volks zu betonen. Das drückt sich in Parolen wie »zu schön für einen Schleier« aus. Solche Darstellungen der eigenen Aktivistinnen macht die Bewegung auch für Männer attraktiv. Dann gibt es noch das Bild der Gefährtin, die den Männern im Kampf gegen den großen Bevölkerungsaustausch, den sie imaginieren, als treue Begleiterin zur Seite steht. Continue reading “Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache”