Tag: Antifeminismus

One Solution: Feminism!

Auch wenn dieser Artikel [1] bereits vor eineinhalb Jahren in der Analyse&Kritik veröffentlicht wurde, liegt seine Aktualität auf der Hand: Bei den Nationalratswahlen wählte mehr als die Hälfte eine rechte bzw. rechtsextreme Regierung [2]. Für viele Linke liegt der Fokus des Kampfs gegen FPÖ und ÖVP im Bereich Antifa. Dass dies auch einen massiven antifeministischen Backlash bedeutet und LGBTIQ Menschen neben Geflüchteten zu den vom Rechtsruck am stärksten Betroffenen zählen, scheint ein Unterkapitel zu sein. Auch die Verbindung zwischen Geschlechterideologie und Rechtsextremismus hat ein großen Teil der antifaschistischen Szene bisher nur sehr am Rande in seine Überlegungen einbezogen. Wieso Antifeminismus nicht die notwendige Zentralität von Rassismus als Angriffspunkt gegen AfD, FPÖ und Co hat, damit haben sich Anna Berg und Tanya Zorn auseinandergesetzt:

One Solution: Feminism!

Diskussion: Im Kampf gegen die AfD müssen wir Antifaschismus und Feminismus gleichberechtigt zusammendenken

Von Anna Berg und Tanya Zorn

Volksfront gegen Rechts oder Klasse gegen Klasse – sowohl autonome als auch breite bürgerliche Bündnisse, Gruppen und Organisierungen vergessen eines im Kampf gegen die Alternative für Deutschland (AfD): die Zentralität nicht nur von Rassismus, sondern auch von Antifeminismus und wertkonservativer Mobilisierung. Das verhindert die Einbindung eines großen Potenzials von Feminist_innen in den antifaschistischen Kampf. Schuld ist das Patriarchat – und das sind wir alle. Continue reading “One Solution: Feminism!”

Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch. Continue reading “Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts”

Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache

Judith Götz im Gespräch über die Bedeutung der völkisch nationalistischen Strömung und ihr Frauenbild

Von Nina Böckmann und Fabian Hillebrand erschienen in Neues Deutschland vom 16.6.2017

In ihren medienwirksamen Aktionen greifen die völkisch nationalistischen»Identitären« nicht selten geschlechterpolitische Themen auf. Sie versuchen dabei einerseits Frauenrechte zu instrumentalisieren, andererseits werfen sie »den Linken« vor, nicht nur mit »Multikulti« sondern auch mit der Pluralisierung von geschlechtlichen Identitäten »Gleichmacherei« zu betreiben. Die Wissenschaftlerin Judith Götz beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Frauen im Rechtsextremismus. Sie spricht von den »Identitären«, denn mit dem Begriff »Identitäre Bewegung« würden sich die Rechtsextremen nur größer machen wollen, als sie eigentlich sind. Mit ihr sprachen für »nd« Nina Böckmann und Fabian Hillebrand.

Die »Identitären« bezeichnen sich selbst als »Neue Rechte«. Bedienen sie tatsächlich ein anderes Frauenbild als die klassische Rechte?
Ich würde mit dem Begriff der »Neuen Rechten« vorsichtig umgehen. Es trifft zwar zu, dass die »Identitären« sich auf Theoretiker der sogenannten neuen Rechten beziehen. Sie beziehen sich aber genauso auf faschistische Theoretiker. Der Begriff der »Neuen Rechten« ist ein Stück weit eine euphemistische Selbstbezeichnung und Teil einer Normalisierungsstrategie. Die Bezeichnung wird genutzt, um sich als modernisierte und harmlosere Variante der Rechten darzustellen. Wenn man sich aber ihr Denken genauer ansieht, ihre Theoriebildung und ihre Ideologie untersucht, dann zeigt sich sehr deutlich, dass zahlreiche Elemente dem Rechtsextremismus und dem Neonazismus entnommen sind. Das spiegelt sich auch im Frauenbild wieder.

Inwiefern?
Das Geschlechterbild der »Identitären« ist sehr biologistisch. Es gibt bei Ihnen ausschließlich zwei Geschlechter, die komplementär und hierarchisch zueinander stehen. Das drückt sich in dem Credo »gleichwertig aber nicht gleichartig« aus. Die Vorstellung ist, dass Frauen und Männer von Natur oder von Kultur aus unterschiedlich seien und ihnen damit unterschiedliche Aufgaben in der Gesellschaft zufallen, die in ihrem Wesen begründet liegen.

Es gibt verschiedene Weiblichkeitskonzeptionen innerhalb der Gruppierung der Identitären. Da ist zum einen das Weiblichkeitskonzept der Mutter, die als Erhalterin des eigenen Volkes gesehen wird. Auch ihr Aufgabenbereich ist damit klar abgesteckt. Dann gibt es das Bild des sexualisierten Objektes. Hier geht es darum die Schönheit des eigenen Volks zu betonen. Das drückt sich in Parolen wie »zu schön für einen Schleier« aus. Solche Darstellungen der eigenen Aktivistinnen macht die Bewegung auch für Männer attraktiv. Dann gibt es noch das Bild der Gefährtin, die den Männern im Kampf gegen den großen Bevölkerungsaustausch, den sie imaginieren, als treue Begleiterin zur Seite steht. Continue reading “Bei den »Identitären« ist Heimatliebe nicht nur Männersache”

Teil 5 der Recherche rund um den „Marsch für die Familie“: Wiedenska Inicjatywa Narodowa

Die Wiedeńska Inicjatywa Narodowa (WIN, Wiener Nationale Initiative) ist ein 2014 gegründeter Verein. Ihren Vereinssitz hat die WIN in der Cothmannstraße 5-7/15, 1120 Wien. Eingetragener Obmann des Vereins ist David Staszkiewicz, stellvertretender Obmann Kamil Polak. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) stuft die Gruppe als „polnische Neofaschisten“ und antisemitisch ein. [1] Sie stehen dem Ruch Narodowy (Nationale Bewegung), Endecja sowie der Młodziesz Wszechpolska (Allponische Jugend) nahe. Weitere Verbindungen bestehen zum Klub Gazety polskiej, Polske Towarzystwo Gimnastyszne Sokoł, Prosto z Mostu sowie zum Klub Sierpien 80 (Polnisch-Österreichischer Klub für Information und Kultur, gegründet 1982 in Wien). Auch pflegt die WIN Kontakte zur österreichischen rechtsextremen Szene, wie beispielsweise der Identitären Bewegung Österreich. Die anonym betriebene neonazistische Website freies-oesterreich bezog sich ebenfalls positiv auf WIN. [2]

WIN gemeinsam mit Teilen der Identitären Bewegung (links)
auf dem „Marsz Niepodległości“ in Warschau 2016.
Auf dem rechten Banner ist ein Bild Dmowskis abgebildet.

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Marsch für’n Arsch 2017

Wann? Samstag 17. Juni 2017

Wo? Albertinaplatz 1010 Wien

+++ Der Treffpunkt der Klerikalfaschist_innen ist um 15:00 am Albertinaplatz. Kreativer Protest erwünscht – lasst uns ihrem “Marsch für die Familie” die Hölle heiß machen! +++

“MARSCH FÜR DIE FAMILIE” DIE HÖLLE HEISS MACHEN!

Am 17. Juni 2017 findet wie jedes Jahr der Marsch für die Familie statt. Bewusst wählen die Veranstalter_innen den Tag der Regenbogenparade, um gegen queerfeministische Forderungen und Errungenschaften, wie LGBTIQ*-Rechte, zu protestieren.

Dabei fordern sie beispielsweise die Kriminalisierung von Abtreibung und die Diskriminierung von nicht-heteronormativen Lebensgemeinschaften und Familienbildern (Adoption). Unter dem Banner ‘für die Familie’ organisieren sich christliche Fundamentalist_innen, Rechtsextreme und Rechtskonservative. Sie berufen sich auf vermeintliche Tradition und Glauben, um ihr sexistisches und völkisch-nationales Weltbild auf die Straße zu tragen. So versuchen sie, nationalistische und patriarchale Machtstrukturen zu sichern.
Die ‘Plattform Familie’ setzt sich zusammen aus radikalen Abtreibungsgegner_innen, wie ProVita und anderen bekannten antifeministischen und nationalistischen Gruppierungen und Einzelpersonen, wie Okzident, Pegida Österreich, Wiener Akademikerbund, Liga f. Sozialhygiene, Ursula Stenzel, Markus Franz uvm. (Hintergründe siehe: fida-blog.info) Continue reading “Marsch für’n Arsch 2017”

Teil 3 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Human Life International Österreich

Der dritte Teil unserer Recherchearbeit zum „Marsch für die Familie“ beschäftigt sich mit dem österreichischen Ableger der wohl bekanntesten christlichen Anti-Abtreibungs-Organisation Human Life International (HLI) auseinander, welche ebenfalls zu den Unterstützer*innen des Marschs zählen. Gegründet wurde HLI 1981 in den USA und setzt sich laut Homepage derzeit „in Einheit mit der katholischen Kirche“ in 80 Ländern für den „Schutz des menschlichen Lebens“ und als Verteidiger der „Rechte von Familie und Ehe“ ein. Damit kann HLI als eine der machtvollsten Pro-Life-Gruppen (1) gewertet werden.

HLI Österreich, teilweise auch unter dem Namen Ja zum Leben aktiv, wurde 1993 gegründet und stellt sich im Internet als harmlose Beratungs- und Anlaufstelle für „schwangere Frauen in Not“ dar. Auf der Homepage behauptet HLI „Schwangerenhilfe“ anzubieten u.a. über eine 24h Hotline und mittels Infos zu Schwangerschaft, Kindesentwicklung und Abtreibung. Schaut mensch sich aber die Seite ein bisschen genauer an, wird recht schnell klar, dass es sich bei HLI um einen Haufen von AbtreibungsgegnerInnen und christlichen Fundis (2) handelt. Gleich neben der scheinheiligen Behauptung, schwangeren Müttern in Not durch „reden und zuhören“ zu helfen, werden Schwangerschaftsabbrüche ganz unverblümt als „Kindestötung“ bezeichnet und als „brutal“ und „unmenschlich“ verurteilt. Auch wird die in Österreich 1973 in Kraft getretene Fristenlösung, die die Straffreiheit einer Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate gesetzlich festschreibt, als „Trauma“ bezeichnet. Bilder von blutüberströmten Zellhaufen und Embryos, die teilweise eher wie Kaulquappen ausschauen, sollen Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen oder bereits durchführen haben lassen, ein schlechtes Gewissen einreden bzw. von einem solchem abbringen. Das Selbstbestimmungsrecht einer Person ist hier überhaupt kein Thema, der Körper wird zum Objekt gemacht, über den bestimmt werden darf. Das ist Patriarchat pur!
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Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident

Teil 1 unserer Recherchereihe befasst sich mit dem sogenannten „Okzident – Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit”, welcher auf der Homepage vom „Marsch für die Familie“ als Unterstützer aufscheint. Gegründet wurde der Verein Okzident von Georg Immanuel Nagel gemeinsam mit Alfons Adam im August 2015. Neben einem monatlichen Stammtisch hält Okzident gemeinsam mit der Freien heimatlichen Bewegung jede Menge „Mahnwachen gegen den Terror“ ab.


Nagel als Redner bei einer der “Mahnwachen gegen den Terror”


Auf der Homepage des Vereins sind ihre Standpunkte und Forderungen nachzulesen, im Folgenden ein kleiner Auszug davon zur Verdeutlichung der antifeministischen und rechtsextremen Ausrichtung des Vereins. So heißt es dort: „Eine wie auch immer geartete ‘Homo-Ehe‘ ist nicht vonnöten. Ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare wird abgelehnt. Es ist wichtig, dass Kinder vor allem zahlreich in ordentlichen Familien geboren werden und nicht in problematischen Unterschichten.“ und weiter: „Alle staatlichen Einrichtungen haben zur Verwendung von korrektem Deutsch verpflichtet zu werden. Damit Verbunden ist auch die Beendigung der Pläne zur widerlichen ‚Frühsexualisierung‘ von Kindern.“
Auch die „Wehrhaftigkeit gegen den radikalen Islam und den gewaltbereiten Linksextremismus“ und ein Schließen der Grenzen wird gefordert: „Angesichts der Tatsache, dass in keinem unserer Nachbarländer Krieg herrscht, ist das ‚Asylrecht‘ umgehend, bis auf weiteres, restlos abzuschaffen. […] Wir erleben seit langem eine Wirtschaftskrise und Rekordarbeitslosigkeit, wir brauchen daher keinerlei Einwanderung. Jede mögliche Form von außereuropäischem Zuzug ist zu unterbinden.“ Continue reading “Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident”

Einleitung zur Recherche rund um den “Marsch für die Familie” 2017

Auch heuer findet wieder am 17. Juni, zeitgleich mit der Regenbogenparade, der alljährliche klerikalfaschistische und antifeministische „Marsch für die Familie“ in der Innenstadt Wiens statt. Wir wollen in den nächsten Wochen Texte zu einigen der unterstützenden Gruppen und Personen des Marschs auf dem FIDA-Blog veröffentlichen, um aufzuzeigen, mit wem wir es da zu tun haben. Mit Forderungen wie beispielsweise „unantastbares Lebensrecht ab der Empfängnis“, „gegen den Gender-Wahn“, „Ehe nur zwischen Mann und Frau“ versuchen christliche Fundamentalist_innen zusammen mit klerikalen Faschist_innen ein traditionalistisches, heterosexistisches, frauen*feindliches und völkisch-nationalistisches Familien- sowie Gesellschaftsmodell zu propagieren. Auch versuchen sich die Fundis(1) als Kinderschützer_innen darzustellen und sprechen sich unter dem Deckmantel des Kindeswohls gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare oder den Sexualkundeunterricht in Schulen aus. Diese Forderungen sind in ein Kontinuum von patriachalen und sexistischen Strukturen verwoben [siehe dazu auch http://fida.blog.info/selbstverstaendnis. [1]

Dass es sich bei den Fundis rund um den „Marsch für die Familie“ nicht um ein paar einzelne „Spinner_innen“ handelt, die in Wirklichkeit eh niemensch ernst nimmt, zeigt sich zum einen durch die breite, teilweise sogar internationale, Vernetzung und Kooperation christlich-fundamentalistischer und rechter bzw. rechtsextremer Gruppierungen und Einzelpersonen rund um den Marsch. Letztes Jahr etwa beteiligte sich Ján Čarnogurský, ehemaliger Ministerpräsident der Slowakei und Gründer der christlich- demokratischen Bewegung (KDH) mittels eines Redebeitrags an dem Marsch um gegen geflüchtete Menschen und die EU, die angeblich die christliche-europäische Kultur zerstören wollen, Stimmung zu machen. Zum anderen finden sich immer wieder (ehemalige) Parteipolitiker_innen aus FPÖ, ÖVP und BZÖ unter den Unterstützer_innen so zum Beispiel Ex-ÖVP Abgeordneter Marcus Franz, Ursula Stenzl (FPÖ Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete) sowie Martin Stiglmayr, Väterrechtler und ehemaliger stv. Parteiobmann des BZÖ Niederösterreich, die allesamts als Redner_innen auftraten. [1], [2] Continue reading “Einleitung zur Recherche rund um den “Marsch für die Familie” 2017″

Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet

erschienen in Unique 11/16
Von Judith Goetz

Seit geraumer Zeit haben Männerrechtler dem Feminismus auch – oder besser gesagt vor allem – im Internet den Kampf angesagt. „Femokratie-Blog“, „MANNdat.de“, „Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ oder „WikiMANNia“ sind nur einige Beispiele jener deutschsprachigen Internetseiten und Blogs, auf denen seit geraumer Zeit gegen Feministinnen, Gleichstellungspolitiken und vermeintlichen Gender-Wahn gewettert wird.

Die wahren Ziele der Männerrechtler

Die antifeministische Männerrechtsbewegung entstand im deutschsprachigen Raum in den 1970ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts und verfolgt aktuell vor allem zwei Ziele: Einerseits wollen Anhänger dieser Gruppierungen auf die ‚eigentlichen‘ Benachteiligten in dieser Gesellschaft, nämlich Burschen und Männer, hinweisen und andererseits den Einfluss einer imaginierten feministischen Vorherrschaft zurückdrängen. So ist beispielsweise auf dem Blog „Wieviel Gleichberechtigung braucht das Land“ über „Das wahre Ziel des Feminismus“ zu lesen, dass in der „modernen westlichen Gesellschaft […] Feminismus Teil der herrschenden staatlichen (genau gesagt, überstaatlichen, grenzüberschreitenden, d. h. globalen) Ideologie“ sei und durch „Schule, Universitäten und Massenmedien aufgezwungen“1 werde. Die Protagonisten der Männerrechtsbewegung inszenieren sich dabei als Opfer nahezu jeder Lebenslage, vom Bildungs- und Gesundheitswesen über den Arbeitsmarkt oder Staatsdienst bis hin zum Scheidungsrecht. Eine besondere Rolle kommt dabei den Medien zu, die Burschen und Männern als die eigentlich Benachteiligten und Opfer dieser Gesellschaft keine Aufmerksamkeit zukommen lassen würden. So haben auch Männerrechtler begriffen, dass der Hinweis auf Benachteiligung sowie das Einfordern von Rechten ein potentiell sehr wirkungsmächtiger Diskurs ist, mit dem sich Aufsehen erregen lässt. In diesem Opferdiskurs arbeiten Männerrechtler nicht selten mit vermeintlichen Tabubrüchen und Diskursen, die sich gegen politische Korrektheit (PC) richten und versuchen, dadurch Aufmerksamkeit zu erhaschen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich bei den meisten inszenierten Tabubrüchen in der Regel gar nicht um solche handelt, da gerade Sexismus, Rassismus oder Homophobie in dieser Gesellschaft keine Tabus im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr tief und fest in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. So wird beispielsweise auch versucht, fortschrittliche Forderungen und Errungenschaften für Frauen als vermeintlich ‚politisch korrekten‘ Schwachsinn abzutun und gleichzeitig frauenfeindliches Gedankengut zu normalisieren. Continue reading “Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet”