Schlagwort: Homophobie

Rechte Frauen für Frauenrechte?

Eine abgeänderte Form dieses Artikels ist auch in der Printausgabe der 82. Ausgabe der Zeitschrift MALMOE erschienen.

Drei Frauen aus der neuen schwarz-blauen Regierung im Porträt

In diesem Artikel sollen drei Frauen aus der aktuellen österreichischen Regierung vorgestellt werden.
Es soll gezeigt werden, was deren vergangene sowie gegenwärtige Tätigkeiten u.a. für feministische Errungenschaften und Kämpfe bedeuten (können) und inwiefern diese zur Normalisierung des Rechtsextremismus in der österreichischen Gesellschaft beitragen (können).

Kurzer Rückblick: Bereits von 2000 bis 2005 kam es zu massiven sozialpolitischen Kürzungen durch die erstmalige Koalition von ÖVP und FPÖ. Dazu gehörten auch Angriffe auf frauen*politische Angelegenheiten, wie die Abschaffung des Frauenministeriums und Unterordnung dessen in das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen unter Herbert Haupt, dem ersten und bisher letzten männlichen Frauenminister. Durch die Pensionsreform im Jahr 2003 kam es u.a. zu einer Erweiterung des Durchrechnungszeitsraums von 15 auf 45 Jahre, was massive Pensionseinbußen für Personen, die Erziehungsarbeit leisten, bedeutet (in den meisten Fällen Frauen*), da Erziehungszeiten nur unzureichend an die Pension angerechnet werden. Auch mit der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes im Jahr 2000 setzte die Regierung weiterhin auf eine individualisierte, traditionalistische Form der Familienförderung, um damit die Karenz möglichst in die Länge zu ziehen, anstatt Dienstleistungen, wie etwa Kinderbetreuungsstätten oder Ganztagsschulen auszubauen.

Bereits die damalige schwarz-blaue Regierung bezog Frauen plakativ als Ministerinnen in vermeintlich „männlichen“ Bereichen wie Verkehr und Außenpolitik ein. Dies geschah nicht aus einem emanzipatorischen Interesse heraus, sondern um durch diese Inszenierung vorab jegliche Kritik an einer „frauenfeindlichen“ Politik zu delegitimieren.
Diese Strategie lässt sich auch aktuell beobachten, wenn beispielsweise Bundeskanzler Kurz damit prahlt, dass in seinem Team „50 Prozent Frauen und zwei Drittel Experten“ zu finden seien. Im folgenden zeigen wir auf, wie konservative Frauen in der Regierung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft den stärker werdenden antifeministischen Diskurs befeuern konnten und können. Continue reading “Rechte Frauen für Frauenrechte?”

Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch. Continue reading “Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts”

Marsch für’n Arsch 2017

Wann? Samstag 17. Juni 2017

Wo? Albertinaplatz 1010 Wien

+++ Der Treffpunkt der Klerikalfaschist_innen ist um 15:00 am Albertinaplatz. Kreativer Protest erwünscht – lasst uns ihrem “Marsch für die Familie” die Hölle heiß machen! +++

“MARSCH FÜR DIE FAMILIE” DIE HÖLLE HEISS MACHEN!

Am 17. Juni 2017 findet wie jedes Jahr der Marsch für die Familie statt. Bewusst wählen die Veranstalter_innen den Tag der Regenbogenparade, um gegen queerfeministische Forderungen und Errungenschaften, wie LGBTIQ*-Rechte, zu protestieren.

Dabei fordern sie beispielsweise die Kriminalisierung von Abtreibung und die Diskriminierung von nicht-heteronormativen Lebensgemeinschaften und Familienbildern (Adoption). Unter dem Banner ‘für die Familie’ organisieren sich christliche Fundamentalist_innen, Rechtsextreme und Rechtskonservative. Sie berufen sich auf vermeintliche Tradition und Glauben, um ihr sexistisches und völkisch-nationales Weltbild auf die Straße zu tragen. So versuchen sie, nationalistische und patriarchale Machtstrukturen zu sichern.
Die ‘Plattform Familie’ setzt sich zusammen aus radikalen Abtreibungsgegner_innen, wie ProVita und anderen bekannten antifeministischen und nationalistischen Gruppierungen und Einzelpersonen, wie Okzident, Pegida Österreich, Wiener Akademikerbund, Liga f. Sozialhygiene, Ursula Stenzel, Markus Franz uvm. (Hintergründe siehe: fida-blog.info) Continue reading “Marsch für’n Arsch 2017”

Teil 3 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Human Life International Österreich

Der dritte Teil unserer Recherchearbeit zum „Marsch für die Familie“ beschäftigt sich mit dem österreichischen Ableger der wohl bekanntesten christlichen Anti-Abtreibungs-Organisation Human Life International (HLI) auseinander, welche ebenfalls zu den Unterstützer*innen des Marschs zählen. Gegründet wurde HLI 1981 in den USA und setzt sich laut Homepage derzeit „in Einheit mit der katholischen Kirche“ in 80 Ländern für den „Schutz des menschlichen Lebens“ und als Verteidiger der „Rechte von Familie und Ehe“ ein. Damit kann HLI als eine der machtvollsten Pro-Life-Gruppen (1) gewertet werden.

HLI Österreich, teilweise auch unter dem Namen Ja zum Leben aktiv, wurde 1993 gegründet und stellt sich im Internet als harmlose Beratungs- und Anlaufstelle für „schwangere Frauen in Not“ dar. Auf der Homepage behauptet HLI „Schwangerenhilfe“ anzubieten u.a. über eine 24h Hotline und mittels Infos zu Schwangerschaft, Kindesentwicklung und Abtreibung. Schaut mensch sich aber die Seite ein bisschen genauer an, wird recht schnell klar, dass es sich bei HLI um einen Haufen von AbtreibungsgegnerInnen und christlichen Fundis (2) handelt. Gleich neben der scheinheiligen Behauptung, schwangeren Müttern in Not durch „reden und zuhören“ zu helfen, werden Schwangerschaftsabbrüche ganz unverblümt als „Kindestötung“ bezeichnet und als „brutal“ und „unmenschlich“ verurteilt. Auch wird die in Österreich 1973 in Kraft getretene Fristenlösung, die die Straffreiheit einer Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate gesetzlich festschreibt, als „Trauma“ bezeichnet. Bilder von blutüberströmten Zellhaufen und Embryos, die teilweise eher wie Kaulquappen ausschauen, sollen Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen oder bereits durchführen haben lassen, ein schlechtes Gewissen einreden bzw. von einem solchem abbringen. Das Selbstbestimmungsrecht einer Person ist hier überhaupt kein Thema, der Körper wird zum Objekt gemacht, über den bestimmt werden darf. Das ist Patriarchat pur!
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Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident

Teil 1 unserer Recherchereihe befasst sich mit dem sogenannten „Okzident – Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit”, welcher auf der Homepage vom „Marsch für die Familie“ als Unterstützer aufscheint. Gegründet wurde der Verein Okzident von Georg Immanuel Nagel gemeinsam mit Alfons Adam im August 2015. Neben einem monatlichen Stammtisch hält Okzident gemeinsam mit der Freien heimatlichen Bewegung jede Menge „Mahnwachen gegen den Terror“ ab.


Nagel als Redner bei einer der “Mahnwachen gegen den Terror”


Auf der Homepage des Vereins sind ihre Standpunkte und Forderungen nachzulesen, im Folgenden ein kleiner Auszug davon zur Verdeutlichung der antifeministischen und rechtsextremen Ausrichtung des Vereins. So heißt es dort: „Eine wie auch immer geartete ‘Homo-Ehe‘ ist nicht vonnöten. Ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare wird abgelehnt. Es ist wichtig, dass Kinder vor allem zahlreich in ordentlichen Familien geboren werden und nicht in problematischen Unterschichten.“ und weiter: „Alle staatlichen Einrichtungen haben zur Verwendung von korrektem Deutsch verpflichtet zu werden. Damit Verbunden ist auch die Beendigung der Pläne zur widerlichen ‚Frühsexualisierung‘ von Kindern.“
Auch die „Wehrhaftigkeit gegen den radikalen Islam und den gewaltbereiten Linksextremismus“ und ein Schließen der Grenzen wird gefordert: „Angesichts der Tatsache, dass in keinem unserer Nachbarländer Krieg herrscht, ist das ‚Asylrecht‘ umgehend, bis auf weiteres, restlos abzuschaffen. […] Wir erleben seit langem eine Wirtschaftskrise und Rekordarbeitslosigkeit, wir brauchen daher keinerlei Einwanderung. Jede mögliche Form von außereuropäischem Zuzug ist zu unterbinden.“ Continue reading “Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident”

Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet

erschienen in Unique 11/16
Von Judith Goetz

Seit geraumer Zeit haben Männerrechtler dem Feminismus auch – oder besser gesagt vor allem – im Internet den Kampf angesagt. „Femokratie-Blog“, „MANNdat.de“, „Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ oder „WikiMANNia“ sind nur einige Beispiele jener deutschsprachigen Internetseiten und Blogs, auf denen seit geraumer Zeit gegen Feministinnen, Gleichstellungspolitiken und vermeintlichen Gender-Wahn gewettert wird.

Die wahren Ziele der Männerrechtler

Die antifeministische Männerrechtsbewegung entstand im deutschsprachigen Raum in den 1970ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts und verfolgt aktuell vor allem zwei Ziele: Einerseits wollen Anhänger dieser Gruppierungen auf die ‚eigentlichen‘ Benachteiligten in dieser Gesellschaft, nämlich Burschen und Männer, hinweisen und andererseits den Einfluss einer imaginierten feministischen Vorherrschaft zurückdrängen. So ist beispielsweise auf dem Blog „Wieviel Gleichberechtigung braucht das Land“ über „Das wahre Ziel des Feminismus“ zu lesen, dass in der „modernen westlichen Gesellschaft […] Feminismus Teil der herrschenden staatlichen (genau gesagt, überstaatlichen, grenzüberschreitenden, d. h. globalen) Ideologie“ sei und durch „Schule, Universitäten und Massenmedien aufgezwungen“1 werde. Die Protagonisten der Männerrechtsbewegung inszenieren sich dabei als Opfer nahezu jeder Lebenslage, vom Bildungs- und Gesundheitswesen über den Arbeitsmarkt oder Staatsdienst bis hin zum Scheidungsrecht. Eine besondere Rolle kommt dabei den Medien zu, die Burschen und Männern als die eigentlich Benachteiligten und Opfer dieser Gesellschaft keine Aufmerksamkeit zukommen lassen würden. So haben auch Männerrechtler begriffen, dass der Hinweis auf Benachteiligung sowie das Einfordern von Rechten ein potentiell sehr wirkungsmächtiger Diskurs ist, mit dem sich Aufsehen erregen lässt. In diesem Opferdiskurs arbeiten Männerrechtler nicht selten mit vermeintlichen Tabubrüchen und Diskursen, die sich gegen politische Korrektheit (PC) richten und versuchen, dadurch Aufmerksamkeit zu erhaschen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich bei den meisten inszenierten Tabubrüchen in der Regel gar nicht um solche handelt, da gerade Sexismus, Rassismus oder Homophobie in dieser Gesellschaft keine Tabus im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr tief und fest in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. So wird beispielsweise auch versucht, fortschrittliche Forderungen und Errungenschaften für Frauen als vermeintlich ‚politisch korrekten‘ Schwachsinn abzutun und gleichzeitig frauenfeindliches Gedankengut zu normalisieren. Continue reading “Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet”

Roosh V, ‚Pick-Up Artists‘ und Gewalt gegen Frauen*

Zum 6. Februar 2016 hatte Daryush Valizadeh, der sich selbst als Roosh V bezeichnet, in 43 Ländern in 106 Städten zu Treffen für heterosexuelle Männer[1] aufgerufen. Ziel dieser ‚men’s only happy hour‘ sollte es sein, dass sich regelmäßige Vernetzungstreffen für ‚gleichgesinnte‘ Männer etablieren.

Daryush Valizadehs Anhänger feiern die von diesem ‚entwickelten‘ Strategien, um Frauen* zum Sex zu bewegen – dazu gehört der gezielte Einsatz von Alkohol und/oder psychischer wie körperlicher Gewalt. Auch in Österreich, nämlich in Graz und Wien, waren Treffen dieser potenziell gefährlichen Männer angekündigt worden. Treffpunkt in Wien war um 20 Uhr bei den Treppen vor dem MUMOK im Museumsquartier. Mit Hilfe der Frage „Do you know, where the next pet shop is?“ und der Antwort „Yes, it’s right here“ hätten sich die Männer untereinander erkennen sollen, um dann gemeinsam zu einem nicht bekannten Veranstaltungsort weiterzugehen, wo ‚Männer Männer sein können‘. Continue reading “Roosh V, ‚Pick-Up Artists‘ und Gewalt gegen Frauen*”