Tag: Rechtsextremismus

Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts

Die zweite FIDA-Recherchereihe soll sich in den folgenden Wochen mit der rechten bzw. rechtsextremen Szene, mit ihren Gruppierungen, Parteien und deren Umfeld beschäftigen – konkret steht dabei das Geschlechterbild bzw. -verständnis der jeweiligen Akteur_innen im Fokus. Wenn sogenannte “Patriot_innen” plötzlich “den Feminismus” für sich entdecken (siehe u.a. die Silvester-Vorfälle in Köln), wenn von “den starken Frauen” der Identitären Bewegung die Rede ist und deren “Postergirls” ins Zentrum der Inszenierung rücken, dann zeigt sich spätestens da die Notwendigkeit, genauer hinzusehen und diesen “Feminismus” als auch die damit zusammenhängenden Geschlechterbilder als das zu erkennen, was sie sind: reaktionär und antifeministisch. Continue reading “Einleitung zur Recherche zu Geschlechterbildern & Antifeminismus von Rechts”

Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident

Teil 1 unserer Recherchereihe befasst sich mit dem sogenannten „Okzident – Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit”, welcher auf der Homepage vom „Marsch für die Familie“ als Unterstützer aufscheint. Gegründet wurde der Verein Okzident von Georg Immanuel Nagel gemeinsam mit Alfons Adam im August 2015. Neben einem monatlichen Stammtisch hält Okzident gemeinsam mit der Freien heimatlichen Bewegung jede Menge „Mahnwachen gegen den Terror“ ab.


Nagel als Redner bei einer der “Mahnwachen gegen den Terror”


Auf der Homepage des Vereins sind ihre Standpunkte und Forderungen nachzulesen, im Folgenden ein kleiner Auszug davon zur Verdeutlichung der antifeministischen und rechtsextremen Ausrichtung des Vereins. So heißt es dort: „Eine wie auch immer geartete ‘Homo-Ehe‘ ist nicht vonnöten. Ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare wird abgelehnt. Es ist wichtig, dass Kinder vor allem zahlreich in ordentlichen Familien geboren werden und nicht in problematischen Unterschichten.“ und weiter: „Alle staatlichen Einrichtungen haben zur Verwendung von korrektem Deutsch verpflichtet zu werden. Damit Verbunden ist auch die Beendigung der Pläne zur widerlichen ‚Frühsexualisierung‘ von Kindern.“
Auch die „Wehrhaftigkeit gegen den radikalen Islam und den gewaltbereiten Linksextremismus“ und ein Schließen der Grenzen wird gefordert: „Angesichts der Tatsache, dass in keinem unserer Nachbarländer Krieg herrscht, ist das ‚Asylrecht‘ umgehend, bis auf weiteres, restlos abzuschaffen. […] Wir erleben seit langem eine Wirtschaftskrise und Rekordarbeitslosigkeit, wir brauchen daher keinerlei Einwanderung. Jede mögliche Form von außereuropäischem Zuzug ist zu unterbinden.“ Continue reading “Teil 1 der Recherche rund um den “Marsch für die Familie”: Verein Okzident”

Einleitung zur Recherche rund um den “Marsch für die Familie” 2017

Auch heuer findet wieder am 17. Juni, zeitgleich mit der Regenbogenparade, der alljährliche klerikalfaschistische und antifeministische „Marsch für die Familie“ in der Innenstadt Wiens statt. Wir wollen in den nächsten Wochen Texte zu einigen der unterstützenden Gruppen und Personen des Marschs auf dem FIDA-Blog veröffentlichen, um aufzuzeigen, mit wem wir es da zu tun haben. Mit Forderungen wie beispielsweise „unantastbares Lebensrecht ab der Empfängnis“, „gegen den Gender-Wahn“, „Ehe nur zwischen Mann und Frau“ versuchen christliche Fundamentalist_innen zusammen mit klerikalen Faschist_innen ein traditionalistisches, heterosexistisches, frauen*feindliches und völkisch-nationalistisches Familien- sowie Gesellschaftsmodell zu propagieren. Auch versuchen sich die Fundis(1) als Kinderschützer_innen darzustellen und sprechen sich unter dem Deckmantel des Kindeswohls gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare oder den Sexualkundeunterricht in Schulen aus. Diese Forderungen sind in ein Kontinuum von patriachalen und sexistischen Strukturen verwoben [siehe dazu auch http://fida.blog.info/selbstverstaendnis. [1]

Dass es sich bei den Fundis rund um den „Marsch für die Familie“ nicht um ein paar einzelne „Spinner_innen“ handelt, die in Wirklichkeit eh niemensch ernst nimmt, zeigt sich zum einen durch die breite, teilweise sogar internationale, Vernetzung und Kooperation christlich-fundamentalistischer und rechter bzw. rechtsextremer Gruppierungen und Einzelpersonen rund um den Marsch. Letztes Jahr etwa beteiligte sich Ján Čarnogurský, ehemaliger Ministerpräsident der Slowakei und Gründer der christlich- demokratischen Bewegung (KDH) mittels eines Redebeitrags an dem Marsch um gegen geflüchtete Menschen und die EU, die angeblich die christliche-europäische Kultur zerstören wollen, Stimmung zu machen. Zum anderen finden sich immer wieder (ehemalige) Parteipolitiker_innen aus FPÖ, ÖVP und BZÖ unter den Unterstützer_innen so zum Beispiel Ex-ÖVP Abgeordneter Marcus Franz, Ursula Stenzl (FPÖ Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete) sowie Martin Stiglmayr, Väterrechtler und ehemaliger stv. Parteiobmann des BZÖ Niederösterreich, die allesamts als Redner_innen auftraten. [1], [2] Continue reading “Einleitung zur Recherche rund um den “Marsch für die Familie” 2017″

Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet

erschienen in Unique 11/16
Von Judith Goetz

Seit geraumer Zeit haben Männerrechtler dem Feminismus auch – oder besser gesagt vor allem – im Internet den Kampf angesagt. „Femokratie-Blog“, „MANNdat.de“, „Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ oder „WikiMANNia“ sind nur einige Beispiele jener deutschsprachigen Internetseiten und Blogs, auf denen seit geraumer Zeit gegen Feministinnen, Gleichstellungspolitiken und vermeintlichen Gender-Wahn gewettert wird.

Die wahren Ziele der Männerrechtler

Die antifeministische Männerrechtsbewegung entstand im deutschsprachigen Raum in den 1970ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts und verfolgt aktuell vor allem zwei Ziele: Einerseits wollen Anhänger dieser Gruppierungen auf die ‚eigentlichen‘ Benachteiligten in dieser Gesellschaft, nämlich Burschen und Männer, hinweisen und andererseits den Einfluss einer imaginierten feministischen Vorherrschaft zurückdrängen. So ist beispielsweise auf dem Blog „Wieviel Gleichberechtigung braucht das Land“ über „Das wahre Ziel des Feminismus“ zu lesen, dass in der „modernen westlichen Gesellschaft […] Feminismus Teil der herrschenden staatlichen (genau gesagt, überstaatlichen, grenzüberschreitenden, d. h. globalen) Ideologie“ sei und durch „Schule, Universitäten und Massenmedien aufgezwungen“1 werde. Die Protagonisten der Männerrechtsbewegung inszenieren sich dabei als Opfer nahezu jeder Lebenslage, vom Bildungs- und Gesundheitswesen über den Arbeitsmarkt oder Staatsdienst bis hin zum Scheidungsrecht. Eine besondere Rolle kommt dabei den Medien zu, die Burschen und Männern als die eigentlich Benachteiligten und Opfer dieser Gesellschaft keine Aufmerksamkeit zukommen lassen würden. So haben auch Männerrechtler begriffen, dass der Hinweis auf Benachteiligung sowie das Einfordern von Rechten ein potentiell sehr wirkungsmächtiger Diskurs ist, mit dem sich Aufsehen erregen lässt. In diesem Opferdiskurs arbeiten Männerrechtler nicht selten mit vermeintlichen Tabubrüchen und Diskursen, die sich gegen politische Korrektheit (PC) richten und versuchen, dadurch Aufmerksamkeit zu erhaschen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich bei den meisten inszenierten Tabubrüchen in der Regel gar nicht um solche handelt, da gerade Sexismus, Rassismus oder Homophobie in dieser Gesellschaft keine Tabus im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr tief und fest in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. So wird beispielsweise auch versucht, fortschrittliche Forderungen und Errungenschaften für Frauen als vermeintlich ‚politisch korrekten‘ Schwachsinn abzutun und gleichzeitig frauenfeindliches Gedankengut zu normalisieren. Continue reading “Der antifeministische Kampf von Männerrechtlern im Internet”

Feministische Störaktion vor der polnischen Botschaft in Wien

Als Reaktion auf die geplanten massiven Verschärfungen des Abtreibungsrechts in Polen kam es im Oktober 2016 vor der polnischen Botschaft zu einer Protestaktion. Autonome Feminist*innen brachten dabei am Zaun der Botschaft ein Transparent an, um sich mit den Befürworter*innen und Aktivist*innen des CzarnyProtest (Schwarzer Protest), die zuvor zu tausenden auf den polnischen Straßen demonstrierten, zu solidarisieren.

Ultrakonservative Abtreibungsgegner*innen brachten unter dem Titel Stop Aborcji! (Stoppt Abtreibungen) im September 2016 einen durch hunderttausende Unterschriften unterstützten Gesetzesentwurf, der de facto ein Abtreibungsverbot vorsah, ins polnische Parlament ein. Abtreibungen sollten demnach nur mehr dann legal durchführbar sein, wenn das Leben der Mutter unmittelbar in Gefahr ist. Der Gesetzesentwurf ist nicht zuletzt deshalb als völlig illegitim und absurd zu bewerten, da das polnische Abtreibungsrecht ohnehin zu einem der restriktivsten in Europas zählt. Schwangerschaftsabbrüche sind aktuell in Polen nur dann legal, wenn entweder eine Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der schwangeren Person oder Hinweise auf eine schwere unheilbare Erkrankung des Fötus vorliegt bzw. in Fällen von Vergewaltigung und Inzest. Des Weiteren sah der neue Gesetzesentwurf bei der Durchführung einer illegalisierten Abtreibung eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren für die*den behandelnde*n Ärztin*Arzt sowie die schwangere Person vor. Continue reading “Feministische Störaktion vor der polnischen Botschaft in Wien”